Alois Schöpf
Allerchristlichster Pächterverschleiß
in Heiligwasser
Zwischenruf
Am Dienstag dieser Woche schloss Manuel Schwaiger das Gasthaus, das er vom Stift Wilten gepachtet hatte. Heiligwasser ist eines der beliebtesten Ausflugsziele für die Innsbrucker und ihre Gäste. Allerdings nur dann, wenn die Straße zum im Winter schattig gelegenen Wallfahrtsort nicht meterhoch mit Kunstschnee überschüttet wird, damit die Skifahrer ungebremst ins Tal rasen können.
Wahrscheinlich ist es gesetzeswidrig, einen Servitutsweg bzw. eine öffentliche Zufahrtsstraße im Dienste des Wintertourismus einfach unbenutzbar zu machen. Aber wer wagt es schon, einen Prozess gegen die mächtige Patscherkofelbahn Betriebs GmbH anzustrengen? Der Pächter vielleicht, der aufpassen muss, dass er nicht schon im ersten Jahr pleitegeht? Und dem man versprochen hat, dass es im Winter eine Fußgängerunterführung zu seinem Gasthaus geben wird. Und eine beschneite Rodelbahn!
Zwar versuchten immer wieder Politiker von Schwarz und Blau, sich für eine Lösung in Heiligwasser einzusetzen. Leider nützte es nichts. Denn sowohl die Fußgängerunterführung, als auch der Badeteich im Sommer und die Rodelbahn im Winter fielen dem Sparstift zum Opfer, nachdem die finanziell katastrophal aus dem Ruder gelaufene Patscherkofelbahn Oppitz-Plörer als Bürgermeisterin den Job gekostet hatte und das Prestigeprojekt somit zum Status einer politisch heißen Kartoffel aufgestiegen war, an der man sich nicht die Finger verbrennen will.
Aber auch das Kloster Wilten, das als Eigentümerin des Wallfahrtsortes alles hätte einer Lösung zuführen können, zeichnete sich nicht gerade durch angewandte christliche Nächstenliebe aus, bestand es doch darauf, dass das Gasthaus ganzjährig geöffnet bleiben muss, auch wenn es im Winter, wie schon gesagt, nicht einmal Gutwillige und Bergerfahrene gefahrlos erreichen können, sofern sie nicht den unübersichtlichen und völlig unattraktiven Umweg über die lange Zeit auch in Bau befindliche Bob-Bahn auf sich nehmen.
Trotz solch unhaltbarer Zustände fielen für den Pächter die Pacht, Energie- und Personalkosten an, was darauf hinauslief, dass im Sommer erwirtschaftete Gewinne im Winter wieder verspielt wurden und einer zweifelsfrei zur Heiligsprechung führenden Gratisarbeit des Wirtes nichts im Wege stand.
Da dies jedoch in der eher an Basiswerten orientierten Gastronomie kein Lebensziel zu sein scheint, führte die Gemengelage aus Gleichgültigkeit vonseiten der Politik und Gnadenlosigkeit vonseiten des Klosters ausgerechnet in der Hauptstadt des angeblichen Tourismusweltmeisters Tirol dazu, dass inzwischen binnen weniger Jahre bereits der fünfte Pächter, zuerst begeistert, zuletzt ausgelaugt und frustriert, die Segel streicht und das Kloster mit ganzseitigen Inseraten einen Nachfolger sucht.
Man kann nur hoffen, dass sich so rasch keiner findet oder, wenn sich doch einer meldet, dieser sich dann bei seinen Vorgängern über die Rahmenbedingungen erkundigt. Leider kann man nämlich den bisherigen Pächtern den Vorwurf nicht ersparen: wenn sie sich trotz ihrer Begeisterung genauer informiert hätten, hätten sie erst gar nicht angefangen oder zumindest fairere Bedingungen ausgehandelt: denn derzeit ist das Klostergasthaus nur dann mit Erfolg zu führen, wenn es in der Zeit, in der die Pisten mit Kunstschnee überschüttet werden, zusperren darf, die Pacht entfällt und die Instandhaltung des in dieser Zeit leer stehenden Gebäudes das Kloster übernimmt.
Alles andere führt entweder zur endgültigen Schließung des Hauses oder zu wiederholtem Mal zu voraussehbarem und vollkommen unnötigen Misserfolg und damit einhergehendem menschlichen Leid. Gelobt sei Jesus Christus!
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Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, liebe Eli!,
ich kenne das Gasthaus Heiligwasser seit meiner Kindheit und kehre dort immer wieder gerne ein. Leider wurden in der Vergangenheit viele Versprechungen nicht erfüllt (Rodelbahn, unzureichender Pistenanschluss, Untertunnelung beim Teehaus etc.), die den Pächtern vor allem im Winter die Bewirtschaftung erleichtert hätten. So gab es viele Pächterwechsel. Und zuletzt hat Manuel Schweiger, der das beliebte Berggasthaus mit viel Schwung, neuen Ideen und höchstem persönlichen Einsatz geführt hat, aufgeben müssen. Damit wird das Ausflugsangebot für Einheimische und Gäste einen wichtigen Mosaikstein verlieren.
Ich möchte dir dazu den Beitrag von Herrn Alois Schöpf in seinem Blog zur Kenntnis bringen. Es wäre schön, würde es der Stadt Innsbruck in Zusammenarbeit mit dem Kloster Wilten als Eigentümer der Wallfahrtskirche und des Gasthauses gelingen, für die künftigen Pächter bessere Voraussetzungen zu schaffen.
Mit freundlichen Grüßen!
Günther Hye
Hallo Alois!
Die Versprechungen der Politik sind sowieso für den „Hugo“. Seit Jahren wird eine Rodelbahn versprochen, das wäre das Um und Auf für den Winterbetrieb! Ein Badesee – wer hat diese sinnentleerte Vorstellung?
Es ist jammerschade um dieses kleine Juwel!
Am Zuspruch der Wanderer liegt es nicht! Heiligwasser gehört zu Innsbruck wie der Inn! Generationen haben den Ort besucht und so müsste er bleiben, ohne Schnickschnack wie Badesee! Immerhin ist es auch ein kleiner Wallfahrtsort!
Es war ja bereits eine Idiotie die Bahnstation zu streichen! Viele ältere Menschen konnten so ohne
größere Mühen das Gasthaus erreichen! Jetzt ist alles perfekt renoviert worden, so einen Widersinn kann man nicht erfinden!
Das Stift ist gierig. Ist das nicht Sünde? Pfründe haben sie genug, es ist doch kein Bettelorden! Im Gegenteil, sie sollten im Sinne der Bergpredigt handeln, sonst wird das nichts mit deren Seligkeit!
Herzlos bis ins Grab!
Bravo Alois 👏👏👏 dem ist nichts mehr hinzuzufügen ‼️
Vor genau 15 Jahren hatte ich mich mit meiner Freundin Heidi für das Gasthaus beworben…..
Das Antwortschreiben des Stiftes Wilten kann ich hier gar nicht wiedergeben 🙈 ( Frauenfeindlich war noch das harmloseste….). UMDENKEN und Pächter leben lassen, wäre ANGEBRACHT, ‼️‼️‼️…..das gilt , meiner Meinung, auch für unzählige Almen und Berghütten! 🍀🐞💫