Alois Schöpf
Wer kann sich noch
ein eigenes Heim leisten?
Apropos
Der Traum vom Eigenheim ist ein Grundbedürfnis, das der Staat eigentlich unterstützen sollte. In Wirklichkeit behindert er es.
So erzählte mir unlängst ein Bekannter, der einem seiner Kinder beim Bau eines Einfamilienhauses hilft, dass rund 70.000 Euro bezahlt werden müssen, bevor zum ersten Mal jemand eine Schaufel in die Hand nehmen darf.
Um 70.000 Euro = fast 1 Million Schilling hat man in meiner Jugend ein ganzes Haus hingestellt, oft sogar inklusive Grundstück und dem damals vorgeschriebenen Wahnwitz eines Atombunkers.
Aber nicht nur solch private Geschichten, die sehr viele erzählen können, beweisen, dass die Phrase vom leistbaren Wohnen nur eine Phrase ist. Ähnlich haben nach der Analyse der Meinungsforscher offenbar auch die Grazer gedacht, als sie einer Kommunistin, die sich offenbar glaubhaft um das Wohnungsproblem gekümmert hat, einen Zugewinn bei der Wiederwahl bescherten.
Erinnert sei auch an Salzburg, wo die Kommunisten abräumten und die Salzburger Landeshauptfrau nun aufzuräumen versucht.
Zuletzt passt in das Bild der warnende Zwischenruf der Tiroler Immobilienbranche, deren oberste Vertreter dieser Tage der Politik unmissverständlich vorwarfen, durch ihren bürokratischen Wahn das Wohnen zu verteuern, statt es billiger zu machen. So gehen nach Angabe der Gesellschaft für Wirtschaftsforschung sage und schreibe 41 Prozent der Baukosten allein auf Vorschriften der Öffentlichen Hand zurück.
Vielleicht sollten unsere gewählten Herrscher doch weniger oft aus den Adabei-Seiten grinsen und lieber darüber nachdenken, wie sie diesen Kosten-Skandal in den Griff bekommen. So besitzen, um es zum hundertsten Mal zu wiederholen, sehr viele Gemeinden große Grundflächen aus Agrargemeinschaftsbesitz, die sofort für Einheimische mobilisiert werden könnten. Wenn man nur nicht zu feig wäre, auch den Agrargemeinschafts-Skandal aufzuarbeiten.
Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 04.07.2026
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Sehr geehrter Herr Schöpf!
Ihre Kommentare bzw. Beiträge in der TT habe ich immer mit Interesse gelesen. Ihren Beitrag
vom 4.7.2026 zum Thema leistbares Eigenheim kann ich aber nicht unwidersprochen lassen.
Daher kurz meine Gedanken dazu:
Meine Frau und ich haben eben am 4.7.2026 den 51-en Hochzeitstag gefeiert und zählen zu der
typischen Generation der „Häuslbauer“ in den 70-er Jahren. Grundsätzlich ist es ein Irrtum zu
behaupten, dass der Traum vom Eigenheim ein Grundbedürfnis ist, vielmehr ist das
Wohnbedürfnis – in welcher Form auch immer – ein solches. Sehr viele Personen (eher die
Mehrheit) wollen grundsätzlich kein Haus, sondern eher eine Wohnung.
Ihre Kostenaufstellung ist richtig. Auch wir standen in den 70-er Jahren vor dem Problem der
Finanzierung unseres Eigenheimes – und das in Kitzbühel. Wir haben für das Haus samt Grund
ATS 1,4 Mio (€ 101.742,00) veranschlagt und um diesen Betrag auch gebaut. Wir hatten – nona
– auch schlaflose Nächte bezüglich der Finanzierung. Wir hatten leider keine Erben oder reiche
Eltern, wir mussten nach unserem Studium alles selbst erarbeiten. Nebenbei haben wir noch
zwei Kinder (eines neben dem Studium in Wien) aufgezogen. Alles war nur möglich, weil wir
mehrere Jahre ohne Urlaub alles in den Hausbau gesteckt haben. Die Arbeitsleistung wurde
Großteils von mir und sehr vielen Freunden und Bekannten erbracht. Jammern war nicht
angesagt und auch nicht notwendig. Natürlich war der Bau des Atombunkers teuer und
nebenbei sinnlos – es war halt so.
Geholfen hat uns allerdings, dass wir einen Teil unseres Grundes von der Gemeinde sehr günstig
angeboten bekommen haben. Auf diesem Gebiet sollte viel mehr getan werden, dann wäre auch
für viele der „Traum“ realisierbar.
Wenn Sie aber die Gehälter heute und damals mit den Preisen von heute und damals
vergleichen, so hat sich nicht viel geändert. Wir haben an der HAK /HAS Kitzbühel mit jeweils
Brutto ATS 6.400,00 (€ 465,00) angefangen, wobei ca. ATS 4.000,00 (€ 290,00) für eine
Mietwohnung zu bezahlen waren. Natürlich mussten wir in den folgenden 25 Jahren ordentlich
zurückzahlen und relativ sparsam leben. Heutzutage ist die Bereitschaft zu sparen nicht mehr
vorhanden, sie wird von der Politik auch nicht mehr gewünscht oder propagiert. Das Dilemma
mit dem Budget zeigt das auch deutlich auf.
Ihre conclusio mit der Baulandmobilisierung (für mich ein Unwort) ist so nicht in Ordnung.
Grundsätzlich haben die Gemeinden sehr viele Möglichkeiten mit der Widmung zu arbeiten
und Grundstücke zu erwerben bzw. an Bauwerber weiterzugeben. Das sollten sie auch machen.
In Anbetracht der oben geschilderten Zahlen ist das Wort Kosten-Skandal etwas überzogen. Ich
gebe Ihnen insoferne recht, als der Staat immer nur an neue Steuern und Abgaben denkt und
damit der größte Inflationstreiber ist. Sparen wäre sowohl für den Bürger als auch vor allem für
den Staat angesagt.
Wie sagte schon Eugen Roth:
Ein Mensch sieht schon seit Jahren klar: Die Lage ist ganz unhaltbar.
Allein – am längsten, leider, hält das Unhaltbare auf der Welt
Sehr geehrter Herr Schöpf,
regelmäßig lese ich Ihre Beiträge in der Tiroler Tageszeitung. Manchmal sprechen Sie mir aus der Seele, öfters überraschen Sie mich aber auch mit Ihren Aussagen. So auch in der TT Ausgabe vom Samstag 4.Juli 2026.
Sie schreiben, dass € 70.000,- bezahlt werden müssen, bevor man zum ersten mal eine Schaufel in die Hand nimmt und man um diesen Betrag in Schilling umgerechnet in Ihrer Jugend zum Gegenwert in ein Haus bauen konnte. Sie rechnen den Betrag in ATS um und kommen richtigerweise umgerechnet auf ca. 1 Mio Schilling.
Und da liegt der Haken. Wenn Sie den Zeitwert des Geldes zurück rechnen, so hatte der Betrag von € 70.000,- 1965, also zu Ihrer Jugendzeit einen Wert von ca. 130.000,- Schilling. Und mit 130.000,- Schilling konnte man 1965 kein Haus bauen. Sie haben in Ihrer Annahme den Zeitwert des Geldes außer Acht gelassen.
Ich habe das übrigens mit dem VPI 1965 zurück gerechnet, es gibt sicher noch bessere Methoden, aber es ist einmal ein Ansatz. Oder wie sehen Sie das?
Übrigens sind die öffentlichen Kosten bei einem Neubau wie z.B. Erschließungskosten eine der größten Preistreiber, da kann ich Ihnen gerne eine Liste übermitteln, welcher ein Berufskollege akribisch erhoben hat.
Gut wäre gewesen, wenn Sie kurz beschrieben hätten, wie sich die € 70.000,- zusammensetzen.
Lieber Herr Schöpf!
Ihr Artikel ist wie immer ganz am Puls der Zeit! Das Gejammere der Politiker über die hohen Wohnungskosten ist unerträglich. Denn dabei verschweigen sie der unwissenden Mehrheit der Wohnungsmieter, dass das Finanzamt die Hälfte der Miete ohne jede Gegenleistung einfach in die eigene Tasche streift. Das Problem ist also von der Politik hausgemacht – Jammern also mehr als scheinheilig u. völlig absurd!
Ein kurzes aber eindrückliches Rechenbeispiel:
Eine 2- Zimmer Neubauwohnung von einem großen Bauträger in Innsbruck mit 48qm2 kostet derzeit incl. 20% MWST. 550.000 €, dazu kommen 10% Nebenkosten – das ergibt etwas mehr als 600.000 € für eine kleine 2 Zimmer Wohnung.
Die Miete incl. TG-Abstellplatz u. der monatlichen Betriebskosten von ca. 200 € beträgt 1500 €, ein Betrag, den viele Leute schon sehr schwer aufbringen können. Nach Abzug der BK bleiben für den Vermieter ca. 1300 € übrig, wovon sich das Finanzamt 50% in die eigene Tasche steckt.
So bleiben einem Anleger, der 600.000 € für eine kleine 2-Zimmer Wohnung bezahlen musste, schlappe 650 € Miete pro Monat übrig. Erst nach ca. 100 Jahren Vermietung rechnet sich so eine Investition!
Irgendwie ist die ganze Wohnungssituation für Mieter u. Vermieter auf Grund der Einmischung der Politik völlig entgleist u. die ganze Situation am Innsbrucker Wohnungsmarkt ist zum Leidwesen aller Beteiligten mehr als absurd.
Nur die Politik könnte hier helfen, aber wer gräbt sich schon selber das Wasser ab? Lieber stellt man sich unwissend u. heult mit den Wölfen!
Liebe Grüße
Ulrike Lob
Sehr geehrter Herr Schöpf,
Ihr Artikel vom 04.07.2026 ist definitiv bis jetzt einer Ihrer Besten Artikel im Jahre 2026. Auf einer Viertelseite der TT haben Sie alle, wirklich alle Fakten und Probleme über „Leistbares Wohnen“ aufgezeigt.
Ich habe selbst Ende der Siebziger-Jahre ein Einfamilienhaus gebaut – damals konnte man die Rückzahlung sowohl für den Baukredit als auch die anfallenden Zinsen von der Steuer abschreiben, dies ist schon seit ewigen Zeiten nicht mehr möglich.
Ich erlaube mir ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit aufzuzeigen
Meine Tochter konnte in Thaur im Jahre 2023 in einer Wohnanlage eine wohnbaugeförderte Wohnung erstehen. Die Abwicklung erfolgte mit Bauträger, Anwalt zur Ausfertigung des Kaufvertrages und Treuhänder nach den Richtlinien der Tiroler Wohnbauförderung. Während der Herstellung und nach Übergabe der Wohnung wurde sowohl der Kaufvertrag als auch die Wohnung von den Beamten der Abteilung Wohnbauförderung des Landes Tirol überprüft und die Wohnbauförderungsmittel ausbezahlt.
Im Vertrag wurde monetär festgehalten
Kaufpreis
Grunderwerbssteuer
Grundbucheintragungsgebühr
Nachdem vom Treuhänder alle Kosten sowohl an Bauträger als auch Grundbuch lt. Vertrag ausbezahlt war, erfolgte die Eintragung in das Grundbuch. Unter normalen Umständen könnte man annehmen – abgeschlossen.
Nicht so in der Räuberrepublik Österreich – zur Jahreswende 2025/2026 taucht beim Grundbuch im Bezirksgericht Hall plötzlich ein Revisor des Justizministeriums auf, der offensichtlich Spezialist für Grundbucheintragungen wohnbaugeförderter Wohnungen war, und erklärte
Die Eintragungsgebühr ist zu niedrig, lt. Gerichtsgebührengesetz steht der Republik mehr Geld zu, weil wohnbaugeförderte Wohnungen unter dem Marktwert verkauft werden, no na – deshalb sind sie ja gefördert. Der Revisor hat die Wohnung einfach um 50% höher geschätzt und die höhere Eintragungsgebühr vorgeschrieben.
Wir haben daraufhin in einem Telefonat mit dem Revisor die Information erhalten – das ist halt so und wurde bereits in einem Höchstgerichtsurteil bestätigt „Es tut ihm leid aber er macht nur seine Arbeit“. Während des Telefonates hatten wir den Eindruck, dass er sich dafür wirklich schämt.
Wir haben daraufhin alle im Tiroler Landtag vertretenen Parteien und das Büro des Landhauptmannes um Stellungnahme gebeten (schlussendlich erkennt das Gerichtsgebührengesetz sozusagen Gesetze die vom Tiroler Landtag (Wohnbauförderung) beschlossen sind, nicht an. Alle Parteien (mit Ausnahme der Grünen, von denen erhielten wir keine Stellungnahme) waren von dieser Vorgangsweise des Justizministeriums betroffen und schockiert. Ich wurde auch zu Gesprächen in das Landhaus eingeladen und es wurde mir glaubhaft zugesichert, sich für eine Änderung dieses Unrechtsgesetzes zukünftig einzusetzen – diese Interventionen sind offensichtlich noch nicht abgeschlossen. Peinlich für die einzelnen Volksvertreter ist – laufend für Leistbares Wohnen zu werben und dann macht die Republik genau das Gegenteil.
Wir haben auch die Rechtsabteilung der Arbeiterkammer eingeschaltet, dort wurde uns gesagt, dass dieses Gesetz seit nunmehr sechs Jahren von den österreichischen AK`s bekämpft wird, allerdings ohne Erfolg.
Einen weiteren Versuch haben wir über die Volksanwaltschaft versucht – der Sauhaufen der dort herrscht ist für normale Menschen unvorstellbar, bzw. dies zu beschreiben würde mehrere Seiten füllen.
Wir haben jedenfalls den Glauben in den Rechtsstaat verloren, scheinbar existiert in dieser Republik eine Geheimverordnung von der keiner der Beteiligten, und auch keiner der Abgeordneten zu den Landtagen und dem Nationalrat, Kenntnis hat.
Die Beteiligten sind – Anwalt als Verfasser des Kaufvertrages, weiterer Anwalt als Treuhänder, Grundbuchbeamte, Abgeordnete zum Tiroler Landtag und Beamte der Abteilung Wohnbauförderung.
Mit freundlichen Grüßen
Werter Herr Schöpf,
oft bin ich nicht ihrer Meinung.
Der Ton der (Stammtisch-) Aufgeregtheit gefällt mir selten, aber diesmal trifft zu, was bemängelt wird.
Ungleich den Grazern würde sich Innsbruck und speziell der Rest Tirols nie auf so ein Abenteuer mit einer sozial übermotivierten Kommunistin einlassen.
Dafür würden erzkonservative Journalisten wie auch APROPOS sorgen.
Allein der Gedanke, dass es in Tirol auch einmal eine bescheidene, charismatische, großzügige Vorsitzende einer Alternativen Liste / Kommunisten gibt, die das Bürgermeisteramt so erfolgreich übernehmen könnte, wäre sexy.
Und nicht unwichtig.
Denn ein Großteil unserer Gesellschaft, vom kleinen Häuslbauer bis hin zum Vorsitzenden der Industriellenvereinigung, ist, wie all die kleinen Leute, wahre Österreicher, leider schon längst im Lager der FPÖ.
Wie sonst könnten die Umfragewerte bei 38% liegen?
Eine weitere 3er Koalitionsperiode wird sich bundesweit nicht mehr spielen.
Und für Tirol sehe ich für die kommende Wahl auch kein Licht am Ende des Pessimismus-Tunnels, da der knorrige Oberländer Mattle auch mindestens 2 Koalitionspartner brauchen wird.
In Tirol hatten wir schon einen global denkenden Oberösterreicher als LH, warum dann nicht auch einen (hinter-)listigen Vorarlberger?
Eine Gruppierung wie die Liste Fritz wird sich bald entscheiden müssen, ob sie nur eine ÖVP-Regierung zu verhindern sucht, ohne eine Distanzerklärung zur FPÖ abzugeben.
Deshalb hoffe ich auf neue politisch unpolitische Zusammenschlüsse, die einen Unterschied bei der nächsten Wahl machen könnten.
Wenn auch vom Thema etwas abgeschweift, bleibt die Conclusio, dass neuere politische Bewegungen eher bereit sind, mit dem bürokratischen Wildwuchs aufzuräumen.
LG aus dem Zillertal
Der Traum vom Eigenheim?
Interessant ist, was die KI darüber sagt: Der Traum vom Eigenheim lässt sich über das klassische Lottospielen (wie zB LOTTO 6aus49) oder moderne Soziallotterien verwirklichen. Neben Geldgewinnen locken heute auch direkte Hausverlosungen, bei denen Sie schlüsselfertige Luxusimmobilien oder Traumhäuser gewinnen können.
Dass es darüber hinaus eine weitere Möglichkeit gibt, die ersterer gleichkommt, zeigt sich, wenn ich das durchschnittliche Jahreseinkommen verschiedener Länder vergleiche, denn es macht einen gewaltigen Unterschied aus, ob ich 680 Euro im Jahr (!) mit Arbeiten verdiene oder das 160-fache im selben Zeitraum fürs Nichtstun erhalte – unseren Politikern zum Dank …