Alois Schöpf
Wer hat Angst vor der künstlichen Intelligenz?
Apropos

Die Computer-App ChatGPT, die Antworten liefert, für deren Recherche man sonst Tage benötigen würde, Texte verfasst, übersetzt oder kürzt, ist etwas Wunderbares und zugleich Praktisches. Wen wundert es, wenn die AI (so sagen diejenigen, die zeigen wollen, wie international sie sind) bzw. die KI, also die künstliche Intelligenz, auf der ChatGPT aufbaut, zu einem der derzeit beliebtesten Gesprächsthemen aufgerückt ist. Und entsprechend auch Objekt großer Ängste wurde.

So prophezeien die ganz Progressiven schon den Ersatz und die letztendliche Abschaffung des Menschen durch intelligente Maschine. Das erinnert mich an meine Zeit bei der Tirol Werbung in den 1990-er Jahren: Damals galt es unter allen, die von sich behaupteten, dem Zeitgeist nahe zu sein, als absolute Gewissheit, dass es in wenigen Jahren keine Skifahrer mehr geben werde, weil alle auf Snowboard umsteigen würden.

Es soll kein später Triumph sein, wenn ich festhalte, dass ich mir niemals vorstellen konnte, dass etwas zum Massensport wird, wozu man artistische Fähigkeiten benötigt und bei dem man sich nur ausrasten kann, wenn man sich wie ein Seehund in den Schnee legt.

Ich habe keinen Beweis dafür, dass AI bzw. KI ähnlich überschätzt werden. Ich kann nur sagen, dass ich mich in meinem langen Leben schon oft genug fürchten musste. Vor dem Atomkrieg während der Kubakrise, vor der Ölknappheit, vor dem Nato Doppelbeschluss, vor dem Waldsterben, vor Aids, vor dem Finanzkollaps, vor Corona, vor der Klimakrise, vor dem Terror, vor Putin und jetzt eben vor der Künstlichen Intelligenz.

Obwohl es nicht auszuschließen ist, dass es tatsächlich Szenarien gibt, die großes Unheil bringen können, ist vielleicht doch eine gewisse Abgebrühtheit und die Überzeugung sinnvoll, dass wir mit Vernunft, Mut und Pragmatismus schon viel überstanden haben und weiterhin vieles überstehen werden.

Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 15.11.2025

Wenn Ihnen schoepfblog gefällt, bitten wir Sie, sich wöchentlich den schoepfblog-newsletter zukommen zu lassen, und Freundinnen und Freunde mit dem Hinweis auf einen Artikel Ihres Interesses zu animieren, es ebenso zu tun.


Weitere Möglichkeiten schoepfblog zu unterstützen finden Sie über diesen Link: schoepfblog unterstützen

Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor, Journalist, Veranstalter, geb. 1950, lebt bei Innsbruck, schreibt seit 41 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 34 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Nach seiner Tätigkeit als ORF-Fernsehredakteur für Fernsehspiel und Unterhaltung verfasste Schöpf Romane, Erzählungen, Märchenbücher und in den letzten Jahren vor allem Essays zu relevanten gesellschaftlichen Themen. Daneben schrieb er Theaterstücke und vier Opernlibretti. Schöpf war auch als Blasmusikdirigent tätig und ist Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte, die er 25 Jahre lang bis 2019 leitete. Zuletzt gründete er 2020 das Online-Magazin schoepfblog, an dem 40 renommierte Autorinnen und Autoren mitarbeiten.

Schreibe einen Kommentar