Alois Schöpf:
Wenn ein Hund
den Osterspaziergang stört.
Apropos
Die ersten Zeilen von Johann Wolfgang von Goethes Osterspaziergang aus seinem Drama Faust gehört, zumindest bei den älteren Generationen, in die bildungsbürgerliche Zitatenapotheke. Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / durch des Frühlings holden, belebenden Blick. Und: Jeder sonnt sich heute so gern / sie feiern die Auferstehung des Herrn.
Leider ist dieses Vergnügen nicht nur im Faust, wo in Gestalt eines schwarzen Pudels der Teufel auftaucht, sondern auch bei gewöhnlichen Spaziergängen zuweilen Wunschdenken.
Dann etwa, wenn plötzlich ein muskulöses Hundsvieh mit mächtigen Kauwerkzeugen auftaucht und samt hinterher trottendem Hundehalter nicht zu erkennen gibt, ob es einen ignorieren wird, zwischen die Beine fährt oder gleich zum Beißen ansetzt. Über die aus letzterer Variante geborene Todesangst macht sich das stolz auf seine biologische Waffe herab blickende Herrl oder Frauerl dann nicht selten mit der Bemerkung lustig: Aber ich bitt Sie, der tut doch nichts, er hat noch niemandem etwas getan.
Irgendwie kann das nicht stimmen, sonst gäbe es in Österreich pro Jahr nicht 4.000 im Krankenhaus behandelte Hundebisse, wobei 800 davon Kinder betreffen. Ganz abgesehen von regelmäßigen Berichten über tödliche Hundeattacken. Und abgesehen von all der Angst, dem Schrecken und dem aggressiven Lärm, den man aushalten muss, nur weil sich empathiebefreite Zeitgenossen ihr Ich durch die Anbetungsbereitschaft eines Hundsviehs aufblasen lassen.
Wunderbar, dass diese Zeiten nun auch in Tirol, wo die Macht in ihrer postfeudalen Ausformung als Jägerschaft ohne Hunde nicht auskommt, vorbei sind. Eine Änderung des Tierschutzgesetzes verpflichtet ab 1. Juli 2026 nämlich alle Hundehalter, auch jene, die schon einen Hund besitzen, zu einem Sachkunde-Nachweis, der aus einem theoretischen und einem praktischen Teil besteht.
Man darf also hoffen.
Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 04.04.2026
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Vermutlich werden Sie ob dieses Artikels mit massiven Reaktionen zu rechnen haben. Auch mir fielen a priori einige Kraftausdrücke ein …
Aber lassen Sie es mich ein bißchen medizinisch kommentieren:
Diagnose
Akut: Polemische Reizübersteigerung
Chronisch: Feuilletonistische Selbstveredelung
Prognose: Gute Klickzahlen, aus einem Osterspaziergang wird ein Krisenszenario mit Fell.
Sg. Alois Schöpf,
es ist mir ein Anliegen auf ihren heutigen Artikel zu reflektieren.
Gratulation!!
Sie sprechen mir in diesem Inhalt aus der Seele.
Im Oktober 2025 wurde ich im Wald von Natters auf dem Waldweg zwischen Parkplatz Bushaltestelle Campingplatz und dem Landeskrankenhaus Natters von 3 Hunden, unangeleint, Hundebesitzer nicht sichtbar, attackiert und gebissen. Es erfolgte mein Weg zur Klinik (Behandlung mit Antibiotika)und anschließend zur Polizei zur Anzeige.
Die Conclusio: die Staatsanwaltschaft lehnte meine Anzeige wegen Körperverletzung und wegen keiner groben Fahrlässigkeit durch die Hundebesitzer ab, das Verfahren wurde eingestellt.
Das zu ihrem Artikel!
Sehr geehrter Herr Schöpf,
ich teile Ihre heute in Ihrem Apropos-Kommentar geäußerte Meinung und bewundere Ihren dazu notwendigen journalistischen Mut. Sie haben einen wunden Punkt unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens getroffen. Ich befürchte nur, dass Sie nun eine Welle von Beschimpfungen überstehen müssen. Aber das war Ihnen ja bereits vorher bewusst.
Mit besten Grüßen
Sehr geehrter Herr Alois Schöpf !
GRATULATION zu Ihrem Artikel „Wenn ein Hund den Osterspaziergang stört“ – besonders die Satzstellungen – ein Meisterwerk der deutschen Sprache !
Ich musste 2 mal lesen und verstand schmunzelnd, wie Sie den Spaziergang erlebt haben …
Frohe Ostern
Sehr geehrter Herr Schöpf,
ich lese seit Jahren Ihre Beiträge zur Samstagzeitung und bin meistens Ihrer Meinung, abgesehen davon, dass ich kein Fan von Blasmusik bin!
Über Ihren Artikel über „ das Hundsvieh“ bin ich allerdings so entsetzt, dass ich noch nach dem passenden Adjektiv ringe! Es gibt allein in Tirol fast 50.000 Hunde, hochgerechnet auf ganz Österreich also ca 500 000. 4000 behandlungsbedürftige Bisswunden sind also gerade einmal ein Prozent!!! Hunde sind also keine wilden Bestien, die nur darauf aus sind andere zu beißen, sondern 99 Prozent sind angenehme, friedliche, immer gut gelaunte, treue und – heutzutage – oft einzige Lebensgefährten von Menschen, die sie deshalb lieben.
Ein bisschen Toleranz wäre also angebracht! Wenn ein Hund Sie begrüßt und beschnüffelt, will er Ihnen nichts tun!
Es gibt so viel, vor dem man sich wirklich fürchten muss: Krieg, Klimawandel, Terrorismus, Verbrechen, Arbeitslosigkeit, freiheitliche Politik, …. , wie kommt man nur auf die Idee, sich vor Hunden derart zu fürchten?
Wenn Kinder von Hunden gebissen werden, sind sie sehr oft selbst daran schuld: Sie ärgern diese, wenn sie hinter einem Zaun sind, verhalten sich völlig falsch, weil ihnen von den Eltern eingeredet wird, dass Hunde gefährlich seien, … Das verunsichert Hunde.
In meiner aktiven Zeit als Diplompädagogin in der VS habe ich mindestens 150 Kinder unterrichtet. Ich habe ihnen den richtigen Umgang mit Hunden beigebracht, meinen Hund auf Ausflüge mitgenommen, Klassen zu uns in den Garten eingeladen. Die Kinder haben einen natürlichen Umgang gelernt und alle meinen Hund geliebt.
Wenn einzelne Hunde wirklich gefährlich sind, ist immer der Halter schuld! Deshalb ist es gut, dass eine Einschulung in Zukunft verpflichtend ist! Sie wird aber Brutalität gegenüber Hunden nicht verhindern. In meiner ersten Hundeschule hat der Trainer seinen Hund an einem Stachelhalsband durch die Luft geschleudert, wenn er nicht aufs Wort gefolgt hat …!! Der Hund kann so wohl keine freundliche Gesinnung den Menschen gegenüber entwickeln!
Meines Wissens ist die Schulung allerdings nur vor dem ersten Hund verpflichend!
Bitte schreiben Sie in Zukunft wieder über Dinge von denen Sie etwas verstehen, damit ich
Ihren Samstagartikel wieder lesen kann, ohne mich derart zu ärgern!
Mit freundlichen Grüßen.
In Tirol gibt es jetzt schon eine Leinen- und Maulkorbpflicht. Man muss es den Haltern, auf den Kopf zu sagen.