Alois Schöpf
Was weiß Österreich
über Tirols Kulturleben?
Apropos
Wenn Innsbrucks Bürgermeister Anzengruber bei der Eröffnung der Innsbrucker Promenadenkonzerte verkündete, dass hiermit inklusive Volksschauspiele Telfs, Festwochen der Alten Musik und Tiroler Festspiele Erl der Tiroler Kultursommer begonnen habe, muss man sich die Frage stellen, weshalb dann zu diesem hehren Anlass nicht ein Fernsehteam anwesend war, um die Frohbotschaft zumindest in die eigenen Talschaften zu tragen.
Wie man überhaupt ins Sinnieren kommt, wenn man überlegt, was vom tollen Tiroler Kultursommer eigentlich das übrige Österreich erfährt. Denn es wäre ja Balsam auf die Seele eines jeden fortschrittlichen Älplers, wenn von unserem Land nicht nur der Schützen Kampf mit der Weiblichkeit oder eine nicht funktionierende, mit Millionen sanierte Bobbahn nach außen dringen würde.
Immerhin ist Tirols Alleinstellungsmerkmal seit jeher die Verbindung von Natur und Kultur. Und immerhin wirbt Innsbruck mit der Nähe zwischen Wildnis und Urbanität.
Schon allein aus diesem Grund wäre es wichtig, wenn nicht nur wir selbst, sondern auch das übrige Österreich erfahren würde, dass der Tourismusweltmeister mehr zu bieten hat als angegraute Volksmusikanten.
Leider ist dem nicht so. Wo sich Vorarlberg mit den Bregenzer Festspielen, Salzburg mit den Salzburger Festspielen, Oberösterreich mit Woodstock der Blasmusik, Niederösterreich mit Grafenegg, Burgenland mit St. Margareten und Mörbisch, die Steiermark mit der Styriarte, Kärnten mit dem Bachmannpreis und Wien ohnehin immer präsentieren, herrscht im ORF Kultursommer in Sachen Tirol gähnende Übertragungsleere.
Schuld daran tragen aber nicht nur die ignoranten Wiener. Ignorant sind wir schon selbst. Zumindest jene für die kulturelle Außenwirkung Tirols Verantwortlichen, die getreu dem Motto Bisch a Tiroler, bisch a Mensch… am liebsten unter sich sind, um in der eigenen Suppe zu baden.
Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 11.07.2026
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Lieber Herr Alois Schöpf!
Sehr geehrter Herr Schöpf!
Mit Genuss las ich soeben Ihre Kolumne in der TT.
Damit haben Sie wieder einmal den Nagel auf den Kopf getroffen, denn das ist wirklich so in Tirol.
Das beginnt schon bei den sogenannten „landesüblichen“ Empfängen.
Wir unter uns: Tracht, schießen, Schnaps……
Wünsche Ihnen gesund zu bleiben und weiter so.
Schöne Grüße
Lieber Alois,
Dein heutiger Kommentar in der TT hat heute Früh zu innerfamiliären Beifallskundgebungen geführt, vielen Dank!
Als Ö1 Hörer ist mir vor Kurzem besonders aufgefallen, dass im Ö1-Monatsmagazin „Gehört gehört!“ die Festspiele Erl als einzige nennenswerte Tiroler Kulturveranstaltung Erwähnung gefunden haben – im Gegensatz zu allen anderen Bundesländern.
In der öffentlichen Wahrnehmung scheint auch die „Olympiahauptstadt“ Innsbruck zur Sporthauptstadt zu mutieren. Dein ehemaliger Lanser Mitbürger Christian Berger hat schon vor vielen Jahren gemeint, dass es in der Stadt Innsbruck vor allem „nach verschwitzten Adidas-Schuhen stinke“. Da bevorzuge ich den gelegentlichen Jauchengeruch am südlichen Mittelgebirge
bei Weitem!
Die unverdächtige Helga Rabl-Stadler hat vor nicht allzu langer Zeit gemeint: „Wenn die Stadt Salzburg nicht ihre Festspiele hätte, wäre sie ein Kaff.“ Mich schauerts, diesen Satz auf Innsbruck anzuwenden….
Liebe Grüße aus Igls!
Ob der ORF darüber berichtet ist eigentlich gleichgültig, bei der Reichweite von 20% hören 80% davon eh nichts. Wichtig ist doch, dass es klappt. Die Konzerte werden aufgeführt und gut besucht, was sonst zählt?
Wenn der Bürgermeister schon meint, sich mit fremden Federn schmücken zu müssen, er kann ja auch für Telfs nichts und Erl kennt er vom Vorbeifahren auf der Autobahn, dann könnte er doch erläutern, warum er den Girkinger-Vertrag zwei Jahre vor Fälligkeit, damit um sieben Jahre verlängert hat.
Was hat es gebracht ausser Gutpunkten beim grünen Vize, sieben weitere Jahre Lernzeit um 30 Mio pro Jahr an Subvention? Koalitionsfriede ist schön. Dann sagen die Journis nicht: „Sie streiten.“
Lieber Alois,
ich muss Dir recht geben. Als jahrzehntelanger ORF Mitarbeiter glaube ich die Gründe zu kennen. Früher gab es einen Kulturchef im Landesstudio Tirol, der in der Wiener ORF Zentrale Druck für Tiroler Kulturpräsenz gemacht hat. Der Posten ist längst weggespart worden. Es gab aber auch Landesintendanten (heute Direktorin), die Tiroler Kulturinteressen mit Vehemenz vertraten. Damals galt und heute gilt: Nur wer sich wehrt und permanent lästig ist, kommt in der Zentrale zu Wort und ins Bild.
Freundliche Grüße
Michael Motz
Lieber Hr. Schöpf,
anscheinend wurde der Vertrag der umstrittenen Intendantin des Tiroler Landestheaters verlängert, sodass ihr finanziell kostspieliger Kulturaktivismus also weiter gehen kann. Es würde mich freuen, wenn Sie sich dieses Themas wieder einmal annehmen, denn die restliche Journaille sieht das völlig unkritisch oder klatscht noch sehr gefällig dazu. Gleichzeitig ist dieser Fall paradigmatisch für das System Österreich: Maximale Geldverschwendung bei minimaler Kompetenz unter maximaler Verfilzung, alles auf Kosten der Steuerzahler.
Mit besten Grüßen.
Sehr geehrter Herr Müller!
Herzlichen Dank für Ihr Schreiben,.
Das Thema steht auf meiner Liste.