Alois Schöpf
Unter dem Diktat der Vereinigten Staaten?
Apropos
Gegen übermächtige Väter, Mütter oder Geschwister pflegt man sich zu erheben. Warum nicht auch gegen die USA? Ihre bürgerliche Revolution ist noch älter als die französische, sie haben durch ihren Kriegseintritt das Ende des Dritten Reichs eingeläutet und uns zu einem Neuanfang als Demokraten verpflichtet.
Doch all das liegt in weiter Ferne. Viel näher ist da schon der Lebensstil, dessen Impulse fast alle von den USA ausgegangen sind, sei es der Fitness- oder Schönheitskult, aber auch die Bewegung des New Age, allen voran dabei auch der Innsbrucker Fritjof Capra mit seinem Bestseller “The Tao of Physics”. Plus höhere Welterkenntnisse mittels giftiger Castaneda-Schwammerln. Nicht zu vergessen “Woodstock” und “Hair”!
Womit wir bei der Musik sind, die durch den Jazz bis heute von den USA dominiert wird, nicht zu reden von Hollywood mit seinen Filmen, New York mit seinen Intellektuellen und ganz aktuell mit Silicon-Valley und seinen Internet-Giganten wie Google, Apple, Meta oder Netflix, die uns, wenn sie abgeschaltet würden, in die Steinzeit zurückbomben könnten.
Wen wundert es, dass eine solche Übermacht Widerstand, Opposition, ja nachhaltig feindselige Gefühle hervorruft, besonders wenn sie von einem offenbar schwer narzisstischen, unkalkulierbaren Präsidenten, der sich für die Rettung der Welt hält, befeuert werden?
Dennoch: Wenn Putin-Versteher die USA und ihre Rüstungsindustrie für den Krieg in der Ukraine verantwortlich machen, weil sie diesen Staat als böse kapitalistische Macht, als Diktatur ansehen, ist ihnen noch immer nüchtern entgegen zu halten: Unter diesem Diktat leben wir nun schon seit Jahrzehnten.
Und die Behauptung ist durchaus gerechtfertigt, dass bei Betrachtung der Weltgeschichte diese Zeitspanne wohl als ein Goldenes Zeitalter einzuschätzen ist. An diesem Urteil wird auch ein Herr Trump so schnell nichts ändern.
Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 12.04.2025
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Sehr geehrter Herr Schöpf,
man könnte die provokante Frage Ihres Kommentars etwas salopp mit Ja beantworten. Das kann man wie folgt begründen: der Kriegseintritt der USA war prinzipiell dem Eigeninteresse nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour geschuldet und die Sicherung des Westens gegen den Kommunismus dem Freihandelsprinzip,nicht nur dem edlen Kampf für die Demokratie.
Dieses Prinzip hat unzweifelhaft Wohlstand gebracht. Immer wieder haben die USA aber auch völlig undemokratisch dort interveniert, wo ihre Weltordnung gefährdet wurde, nicht nur in Kuba. Dieses Prinzip gilt bis heute. Und die Europäer haben sich blind auf die USA verlassen, das Ergebnis ist bekannt.
Was die Kulturleistumgen betrifft, so ist vieles aus den USA gekommen, Gutes und Schlechtes. Die schnelle Ernährungsweise oder die Online-und Handysucht sind fast unausweichlich, wird jetzt durch amerikanische Pharmakonzerne geheilt, und wer den Ukrainekonflikt wie vorbereitet hat, wird vielleicht irgendwann die Geschichte klären oder auch nicht.
Die Coronakrise ist ja auch im historischen Nirvana verschwunden. Trump treibt nur gewisse Muster auf die Spitze, gepaart mit seinem schlimmen Narzissmus.
Deswegen stehen wir, die Europäer, da, wo wir stehen: verloren und nach Waffen schreiend. Zumindest die europäischen PolitikerInnen!