Alois Schöpf
Unbotmäßiges
bei Betrachtung der Nordkette
Apropos
Dieser Tage saß ich auf einer Bank vor dem Alpengasthof Heiligwasser, dessen Pachtvertrag offenbar so selbstbeschädigend ist, dass das Stift Wilten noch immer keinen Pächter gefunden hat.
Im Bewusstsein solch peinlichen Versagens schaute ich zur Nordkette hinüber, wo sich deutlich die Gebäude der Seegrube und des Hafelekar abzeichneten. Und wieder einmal beeindruckte mich die Verrücktheit, über die all jene verfügt haben müssen, die das Projekt zuvor geplant hatten und dann zwischen 1927 und 1928 durchzogen.
Sosehr heute berechtigterweise niemand die Zwischenkriegszeit mit ihren Problemen herbeisehnt, so peinlich fällt der Vergleich mit unserer europäischen Gegenwart aus, in der Projekte wie die Nordkettenbahnen aller Wahrscheinlichkeit nach nie und nimmer eine Chance hätten.
So würde, wenn man etwa unsere Wasserkraftwerke zum Vergleich heranzieht, allein schon die naturschutzrechtliche Bewilligung am Rande des Naturparks Karwendel, wenn sie überhaupt je erteilt würde, 12 Jahre dauern und einen VW-Bus voll von Aktenbergen erfordern.
Und garantiert würden der zutiefst besorgte Alpenverein, dessen Aufgabe es eigentlich ist, die Menschen in die Berge zu bringen, und andere NGOs eine Petition starten, die Hunderttausende unterschreiben würden, weil Innsbruck viele kennen.
Aber das wären nur zwei fast unüberwindliche Hindernisse. Jetzt war noch nicht einmal die Rede davon, dass Tirol nach Ansicht der meisten ohnehin von zu vielen Touristen überrannt wird, Overtourism genannt, ganz abgesehen von der Beeinträchtigung des Landschaftsbilds durch Seilbahnstützen und unpassende technische Gebäude, ganz abgesehen von den geologischen Folgen des Klimawandels und zuletzt ganz abgesehen von der fragwürdigen Rentabilität.
Wer wundert sich angesichts solch unendlicher Bedenken, dass fast nichts mehr geht in unserer Gesellschaft und die Wirtschaft stottert?
Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 22.08.2026
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Sehr geehrter Herr Schöpf,
die Äußerung Gewesslers ist halbherzig und sie entzieht sich der Verantwortung, der sich gewisse Teile der Politik mit der unbegrenzten und ausschließlich vom Gutmenschentum geleiteten Zuwanderungspolitik zu stellen hätten. Wenn man die tätlichen Auseinandersetzungen in Wien, oft mit dem vermeintlich überzeugenden Messer ausgetragen, oder auch die islamistisch motivierten Terroraktionen in Deutschland betrachtet und die Reaktion der Politik darauf, indem sie panisch Einzelaktionen wie ein paar Abschiebungen mediengerecht aus Furcht vor dem Anwachsen der FPÖ oder der AfD inszeniert, dann weiß man, dass das nur dem Machterhalt dient, aber nichts am schon entstandenen und grundlegenden Problem ändert.
Von Verantwortung übernehmen für die gescheiterte Politik und sogar zurücktreten kann natürlich keine Rede sein. Jahrelang hat die europäische Politik die unbegrenzte Zuwanderung unter der Ägide der deutschen Mutti geduldet und die Wirtschaft hat auf Arbeitskräfte in schlecht bezahlten Branchen gebaut. Wenn jetzt unser unseliger ehemaliger Finanzminister als Migrationskommissar in Brüssel in neuer Härte werkt, indem er irgendwelche Ankündigungen zur Verschärfung der Migrationspolitik verkündet, dann weiß man schon, was am Ende übrigbleibt: leere Ankündigungen und die Unfähigkeit der EU, die eigenen Grenzen zu kontrollieren. Jeder souveräne Staat sollte
das können, die EU schafft es nicht. Die Ereignisse in Ceuta sind er lebende Beweis dafür.
Sehr geehrter Herr Alois Schöpf!
Wie recht Sie haben. Auch bei Politikern ist dies offenbar bekannt,
siehe Verwaltungsvereinfachung. Beim Schielen auf das Wahlverhalten
stoppt offenbar die Ausführung, oder würden zu viele Beamte ihren Job
verlieren. Und wir fördern noch mit Millionen die ganzen
Entwicklungsverhinderer. Mich wundert nur, dass es uns trotzdem sehr gut
geht, wenn ich bedenke wie viele Milliarden die ganzen Gutachten kosten.
Sehr geehrter Herr Schöpf!
Es ist für mich fast wie eine Befreiung vom Ungeist der Zeit, wenn ein Journalist verdeutlicht, dass unser bisheriger umfassender Wohlstand wohl niemals möglich gewesen wäre, wenn die selbstbeschädigende Unkultur des Verhinderns auch früher so praktiziert worden wäre und Kleingruppen und NGOs, ihrem skurrilen Weltbild folgend, jahrelange umsichtige und fundierte Planungen und Projekte zunichte gemacht hätten.
Danke und eine noch lange aktive journalistische Aktivzeit.