Alois Schöpf
Ohne Europäische Armee sind wir verloren.
Apropos
Der frühere EZB-Präsident und italienische Regierungschef Mario Draghi ist eine der angesehensten Persönlichkeiten Europas. Wenn er meint, das Jahr 2025 habe endgültig die Illusion zerstört, dass Europa in der Welt noch etwas zu sagen hat, sollte man das ernst nehmen.
Und obgleich unsere rührige Außenministerin Beate Meinl-Reisinger noch nicht die Autorität des alten Herrn aus Rom besitzt, sollte man auch ihre Forderung nach einer europäischen Armee nicht einfach als Minderheitenposition abqualifizieren. Schon gar nicht, nachdem uns der Friedensnobelpreisträger und ehemalige polnische Staatspräsident Lech Walesa in Sachen Europäischer Verteidigungspolitik des Schlawinertums bezichtigt hat.
Zwei Erkenntnisse scheinen leider in unser aller Hedonismus in Vergessenheit geraten zu sein. Dass dieses Europa im weltweiten Vergleich seinen Völkern den größten Wohlstand, die größte Freiheit und zugleich die beste soziale Absicherung bietet, sodass wir, wenn wir nur einmal auf das Jammern vergessen würden, zugeben müssen, dass wir auf ein Goldenes Zeitalter zurückblicken können.
Dieser Wohlstand, diese Freiheit und diese Sicherheit können jedoch nur erhalten bleiben, und das ist die zweite Erkenntnis, wenn wir die uralte Lateinische Weisheit beherzigen: Si vis pacem para bellum. Wenn du Frieden willst, rüste zum Krieg.
Wobei dies keineswegs utopisch ist: Europa verfügt heute schon über 1,4 bis 3 Millionen Soldaten. Der gravierende Nachteil besteht allerdings darin: Sie sind, ohne einheitliches Oberkommando, personell und technisch auf verschiedene Staaten verteilt, es fehlt eine aufeinander abgestimmte Rüstung als Ergebnis eines einheitlichen Waffenkaufs bzw. einer europaweit koordinierten Produktion.
Das alles ist leicht zu korrigieren, wenn nur der Wille dazu da wäre. Vielleicht fördern ihn Herr Putin und Herr Trump unbeabsichtigt.
Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 30.08.2025
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Sehr geehrter Herr Schöpf!
Ich muss sagen, dass mich Ihr Kommentar entsetzt hat!
Ich bin der Meinung, dass von der Europäischen Union eindeutig zu wenig für den Frieden unternommen wird.
Ich bin keine Träumerin und gebe zu, dass ich von militärischem Wissen keine Kenntnis habe, aber stets mit einem gemeinsamen Heer als Stärke gegen den Osten zu argumentieren anstatt auf Diplomatie zu setzen, ist für mich ein Weg Richtung Krieg und nicht Richtung Frieden!
Mag sein, dass Frau Meinl-Reisinger nicht die Autorität des Herrn Draghi hat, allerdings ausgerechnet Herrn Draghi als weise darzustellen finde ich auch als unpassend, schließlich hat er vor 10 Jahren schon die Geld-Drucker-Maschine angeworfen und damit einen Teil der Europäischen Schulden und Inflationsspirale initiiert.
Schulden, die wir jetzt nicht mehr stemmen können. Auch die europäische Aufrüstung steigert die Inflationsspirale ins Unermessliche, und ob die Währungsunion diese Schuldenlast (siehe auch die defacto gescheiterte französische Regierung, bei der auch wieder ganz Europa einspringen muss) tragen wird können, sei dahingestellt.
Stattdessen möchte ich Ihnen dieses inspirierende Interview des tatsächlich weisen Politikers und Juristen Klaus von Dohnanyi empfehlen, um damit einen Blick von einem Menschen zu bekommen, der den 2. Weltkrieg miterlebt hat und der noch zur „alten Schule“ von Politikern gehört, die verhandeln und diskutieren praktiziert haben.
https://youtu.be/6Rn9lrvrfs8
Beste Grüße
Ein Sommernachtstraum? Waffen werden ja nun in Auftrag gegeben, irgendwann sind sie sicher verfügbar. Mit der Armee sieht es weniger gut aus. Mehr als die Hälfte der Deutschen ist nicht gewillt, „ihr“ Land zu verteidigen, dort empfehlen Beratungsstellen Kriegsdienstverweigerung. In ganz Europa wird es nicht viel anders aussehen.
Wohlweislich nur für junge Männer, keine Frauen. Frauen sind eher links (=fortschrittlich), Männer eher rechts (=rückständig). Verteidigen sollen sie diese aber.
Ich habe den Grundwehrdienst und Übungen geleistet, heute einzurücken würde mir wenig einleuchten. Ins Feld ziehen, das Sterben ist nicht das Schlimmste, eher nur als Teil heimzukommen. Wofür? Für Klimakleber und deren Eltern, die ihre Sprösslinge mit dem SUV zur Demo fahren? Für Tierschutzfreaks, die mir das Essen vorschreiben wollen? Für eine Kommission, die zig-Milliarden an NGOs zahlt, wohlweislich unter der Hand, um linksgrüne Transformation zu machen, für Kluge, welche erkennen, dass die Desintegrationsministerin Widerstand erzeugt, anstatt noch mehr Angebote zu machen?
Napoleon meinte, im Krieg ist Moral alles. Die ist ja nachhaltig beschädigt. Diese Welt verteidigt euch doch selbst.
Sehr geehrter Herr Schöpf
Volle Zustimmung zu Ihrem heutigen Kommentar. Ihre doch eindeutige Positionierung in dieser Frage verdient Respekt, zumal man bei Diskussionen zu dieser Thematik nur allzu rasch in der Kategorie „Kriegstreiber“ landet.
In einem Referat des Philosophen Richard David Precht beim Forum Alpach ist die Rede von friedlicher Koexistenz. Friedliche Koexistenz: ja! Dies kann jedoch keine Einbahn im Sinne einer Wiederherstellung der UdSSR sein…..