Alois Schöpf
Nicht intrigieren, Verantwortung übernehmen!
Apropos
Das zweite Argument des Gerichts im Urteilsspruch Wöginger muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Postenschacher sei verwerflich, weil dadurch die Besten für ein Amt davon abgehalten würden, sich zu bewerben.
Das beschreibt die derzeitige Situation präzise, auch in Tirol. Wer derzeit nämlich naiv genug ist, sich ohne Netzwerk zu bewerben, läuft Gefahr, sich sogar zu schädigen, sofern seine Bewerbung erfolglos bleibt und Hohn und Spott darob umso kräftiger ausfallen.
Zugleich ist die ganze Angelegenheit, sofern man sie nicht für billige Polemik missbraucht, etwas komplizierter, wie auch der konkrete Fall Wöginger mit zuerst Diversion, Schuldspruch und nun folgender Berufung beweist.
Der Knackpunkt kreist nämlich um den Begriff der/die Beste, – ein Suchlauf, der manchmal der Realität entspricht, sofern die geforderten Leistungen wie in den Naturwissenschaften oder in der Medizin klar definiert werden können. In den meisten anderen Bereichen hingegen fällt die Wahl erschreckend oft auf die Braven, Gesichtslosen, Biegsamen, Parteinahen und Netten, bestenfalls mit dem richtigen Geschlecht.
Zu oft ist dabei die Fragwürdigkeit des Begriffs der/die Beste offenkundig. Zu oft werden Bewerbungs- und Auswahlverfahren dazu benützt, Entscheidungen zu kaschieren, die mit “den Besten” nur am Rande oder fast nichts zu tun haben.
Wenn über diesen kollektiven Selbstbetrug öfter nachgedacht würde, wäre der heimliche Postenschacher rasch beendet. In dem Fall würde nämlich den Experten nur die Aufgabe zukommen, die Professionalität der Bewerber festzustellen.
Sie zu berufen und diese Berufung öffentlich zu begründen und zu verantworten, läge an den jeweiligen Politikern, deren Hauptqualifikation bekanntlich darin bestehen sollte, die richtigen Leute auszuwählen. Sich hinter Jurys zu verstecken ist feig und geradezu Nährboden für Korruption.
Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 09.05.2026
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