Alois Schöpf
Ist es gestrig
mit Menschen reden zu wollen?
Apropos

Bei Kritik an technischen Innovationen setzt es oft, gepaart mit mitleidsvollen Blicken, das Argument, dass bei der Einführung der Eisenbahn die Leute auch geglaubt haben, solche Geschwindigkeiten nicht zu überleben. Auf die Gefahr hin als ein solch gestriger Simpel zu gelten, erlaube ich mir dennoch, nach mehreren unfreiwilligen Gesprächen mit Chatbots, deren Namen sich von chat (englisch für plaudern) und bot (Kurzform für robot) ableiten, Bedenken anzumelden.

Ich will nämlich nicht, wenn ich ein Problem habe, mit einem Computer mit süßer Mädchenstimme sprechen und mich einer Maschine unterordnen, die mich ebenso zur Maschine degradiert. Zu einer Maschine natürlich, die nicht funktioniert, weil sie nicht die richtigen Antworten gibt, sodass die KI am anderen Ende immer wieder von vorn anfängt, bis sie aufgibt.

Auf die Frage übrigens, wie ich mit dem Gespräch zufrieden war, gab ich die schlechteste Note und beschwerte mich bei der endlich menschlichen Dame, die ich irgendwann erreichte. Sie konnte mich leider nicht trösten und zählte mir vielmehr eine ganze Reihe von Institutionen auf, die längst ebenso mit KI-Auskunft arbeiten.

Darunter auch einige öffentliche Einrichtungen, deren Vertreter sonst vollmundig von Arbeitsplätzen reden. Und große Unternehmen, die sicherlich über eine mächtige Gewerkschaft verfügen.

Denn das würde ich ja noch akzeptieren: Wenn der Job der Telefonauskunft ein solcher Horror wäre, dass sich niemand dafür findet, bleibt nichts übrig, als die KI einzusetzen. Wenn diese jedoch nur dazu da ist, um ein besseres Geschäft zu machen, erlaube ich mir schon die Frage, ob es wirklich gestrig ist,
gegen diese neuerliche Ent-Menschlichung unseres Alltags Protest einzulegen.

Und besonders die Vertreter öffentlicher Unternehmen und der Gewerkschaften an ihre Kernaufgabe, die soziale Verantwortung, zu erinnern.

Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 25.07.2026

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Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor, Journalist, Veranstalter, geb. 1950, lebt bei Innsbruck, schreibt seit 41 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 34 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Nach seiner Tätigkeit als ORF-Fernsehredakteur für Fernsehspiel und Unterhaltung verfasste Schöpf Romane, Erzählungen, Märchenbücher und in den letzten Jahren vor allem Essays zu relevanten gesellschaftlichen Themen. Daneben schrieb er Theaterstücke und vier Opernlibretti. Schöpf war auch als Blasmusikdirigent tätig und ist Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte, die er 25 Jahre lang bis 2019 leitete. Zuletzt gründete er 2020 das Online-Magazin schoepfblog, an dem 40 renommierte Autorinnen und Autoren mitarbeiten.

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