Alois Schöpf
Großer Jubel
Und das nach dreißig Jahren!
Apropos
Nach Sonderfahrten für die Staatsspitzen wurde letztes Wochenende die neue Koralmbahn auch für das gewöhnliche Publikum freigegeben. Kritische Bemerkungen waren nicht zu vernehmen, vielmehr war von einem Zusammenrücken der Bundesländer und der längst fälligen Öffnung des Wirtschaftsraums nach Süden die Rede.
Das war aber beileibe nicht immer so. Die ersten Pläne zur Bahnstrecke stammen nämlich aus dem Jahr 1995, wobei es damals schon hieß, das Projekt werde sich mangels Nachfrage nie rentieren und sei zu teuer. Der Rattenschwanz aller folgenden Beschwerden dürfte im Übrigen bekannt sein, ist er doch bei jedem größeren, aber auch kleineren Projekt, ob Straße, Bahn, Kraftwerk oder Neubauten, inzwischen gang und gäbe.
So setzte es ab dem Jahr 2001 bis 2010 Einwände, was Trassenführung, Tunnelbau, Grundwasser- und Naturschutz betraf. Das führte zu Verzögerungen, Nachbesserungen und zusätzlichen Umweltauflagen.
Von 2008 bis 2018 folgten punktuelle Einsprüche im Hinblick auf eine mögliche Grundwassersenkung, allgemeine Bauauswirkungen und Schäden an Gebäuden im Rahmen des Tunnelbaus, was mit Klagen vor Verwaltungsgerichten einherging. In der Bauphase selbst folgten zuletzt noch Klagen wegen Lärm und Baustellenverkehr.
Das heute vielgepriesene Projekt, und hier vor allem der Bau des Tunnels, benötigte sieben Jahre Bauzeit, wozu sich 23 Jahre Bürokratie gesellen. Gratulation Österreich! Es grenzt an ein Wunder, dass wir nicht längst an einer Mischung aus Vorsichtl, Rücksichtl und Floriani-Prinzip erstickt sind.
Wobei klargestellt werden muss: Nicht alle Kritikpunkte der Projektgegner waren falsch, einige Einwände, Abänderung und damit Verbesserungen sicher richtig. Dass das dann aber 30 Jahre dauert, ist eine Groteske, die sich leider auch bei projektierten Pumpspeicherkraftwerken in Tirol wiederholt.
Zukunftsfitness schaut anders aus!
Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 20.12.2025
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