Alois Schöpf
Es geht nicht um Posten,
sondern um Programme.
Apropos
Wie gut hätte dem ORF das Nein der Schweizer zu einer Reduktion der Radio- und Fernsehgebühr geschmeckt. Die Diskussion über die ORF-Haushaltsabgabe hätte sich für längere Zeit erübrigt. Leider kamen die Affäre Weißmann und sein Rücktritt als ORF-Generaldirektor dazwischen.
Plötzlich steht der ORF im Zentrum des öffentlichen Interesses und schon Monate vor der Bestellung einer neuen Führungsmannschaft wird über Posten, Intrigen und den Wunsch nach mehr Frauen in seinen Führungsetagen debattiert.
Leider wird dabei das Wichtigste, worum es in Wirklichkeit gehen sollte, vernachlässigt: die Diskussion um die Qualität der Programme.
Es ist unbestritten, dass im ORF gerade in Sachen Information oft Ausgezeichnetes geleistet wird. Unbestritten ist aber auch, dass der Sender in vielen Bereichen stagniert: Die Fiction verkommt in der Tatort- und SOKO-Seuche, unverwechselbare Show-Formate, wie die eher faden „Neun Plätze – Neun Schätze“, sind Mangelware, dafür wird auf Ö1 heftig belehrt und in den Bundesländer-Studios einem oft grenzwertigen volkstümlichen Kommerz gehuldigt. Man könnte die Liste solcher Ermüdungserscheinungen lange fortsetzen.
Besonders ungerecht ist dabei, dass sich private Sender etabliert haben, die ohne die Geldmittel einer Haushaltsabgabe Programme anbieten, die es mit jenen des ORF längst aufnehmen können, sie in manchen Bereichen sogar übertreffen: Es sei an die Wetterberichte, Diskussionen und Heimat-Sendungen in Servus TV oder an gewisse Interviews in oe24tv erinnert.
Nicht über Posten, Intrigen und politischen Einfluss sollte daher diskutiert werden, sondern über demokratiepolitisch wichtige Medienangebote und eine gerechte Verteilung der Haushaltsabgabe an jene, die solche liefern, damit durch viele hochwertige Programme bei fairer Konkurrenz in einer gebeutelten Branche auch neue Arbeitsplätze entstehen können.
Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 14.03.2025
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Hallo Herr Schöpf,
ganz oft bin ich nicht Ihrer Meinung, nicht ganz so oft schon…
Dass Sie offensichtlich Servus TV für hochseriös halten, kann ich dennoch nicht unwidersprochen lassen. Es stimmt schon, dass viele Formate erfrischend neu daherkommen. Da kann sich der ORF zweifelsohne etwas abschauen (Harry’s liebste Hüttn z.B. vermittelt nicht gerade das Gefühl von Aufbruch in die Moderne…).
Wenn ich mir aber die Ergüsse des „Intendanten“ Wegscheider anschaue, dann sieht man schon, wes Geistes Kind dieser Sender eigentlich ist. Und Mateschitz hat diese Ausrichtung offenbar zu seinen Lebzeiten auch gut geheißen.
Oder wenn ich an Mateschitz’ Reaktion denke, als die MA des Senders einen Betriebsrat installieren wollten (auch wenn diese Aktion damals von Seite der Gewerkschaft denkbar patschert angegangen wurde – ist ja nix Neues… im ÖGB sitzen halt auch keine Intellektuellen, sondern Funktionäre – Fachkompetenz gleich null…) – so geht man mit damals über 200 Mitarbeitern halt auch nicht um… -neulich ham’S die Zeitschrift „Der Pragmaticus“ als hochseriös bezeichnet. Vor dem o.a. Hintergrund würde ich das mal zumindest bezweifeln. Hier werden um viel Geld Persönlichkeiten gekauft, die dann halt ihre Meinung in vermeintlich seriösen Artikeln kundtun… Wäre ich in deren Situation – ich würde mich nicht kaufen lassen…
Eine etwas kritischere Betrachtung von ServusTV wäre jedenfalls angemessen.
Als mich politisch doch eher links Verortender lese ich den „Pragmaticus“ auch immer wieder, und finde neben vielen neoliberalen Ansichten darin auch immer wieder interessante Artikel, die ich in den sogenannten links-woken Medien eher nicht lesen kann. Gerade etwa was die Migrationspolitik anbelangt, auf deren Problematik etwa im braven Ö1 oder auch den anderen ORF-Sendern nie so eingegangen werden würde. Da hat man etwa die migrationsfreundliche Judith Kohlenberger im Dauer-Abo, und den etwas kritischeren Gerald Knaus, aber das war es dann auch schon.
Ich denke, dass es zu allen Fragen der Weltlage, die uns Tag für Tag bewegen, immer mehr Sichtweisen gibt und nicht die eine alles erklärende und verbindende Wahrheit wie in der katholischen Kirche. Gerade der ORF hat sich aber in den letzten Jahren von einer kritischen Sichtweise auf die Fragen unserer Zeit wegbewegt und Information immer mehr mit einer alles beherrschenden Mainstream-Ideologie verbunden, welche nicht nur rechte, sondern auch kritische Stimmen aus dem linken Lager ausblendet.
Hat man etwa einmal in einem der ORF-Sender ein Interview mit Sahra Wagenknecht gehört, um nur ein Beispiel zu nennen, und zwar, als sie zumindest in den deutschen öffentlich-rechtlichen Medien noch präsenter war, sie saß ja immerhin im Bundestag.
Alles, was nicht dieser Mainstream-Ideologie entspricht, wird als Populismus, egal ob von links oder von rechts kommend, abqualifiziert, ohne näher darauf einzugehen, was das überhaupt ist, und ob nicht zumindest auch ein Körnchen Wahrheit darin verborgen wäre. Und da tut ein anderes Medium ganz gut.
Genauso wie ich auch die sonntägliche Diskussions-Sendung Links-Rechts-Mitte auf Servus-TV- dem handzahmen ebenfalls zur gleichen Zeit im ORF2 stattfindenden Gespräch mit Susanne Schnabl meistens vorziehe.
Und nicht übersehen sollte man auch den Umstand, dass bei den von Ihnen erwähnten eben auch im „Pragmaticus“ schreibenden „Persönlichkeiten“ sich ja viele befinden, die auch im ORF zu den Vorzeigeintellektuellen gehören, ich erwähne etwa nur Michael Köhlmeier, der in dieser Zeitschrift eine ständige Kolumne hat, oder eben der Politikerklärer Peter Filzmaier, wo man sich dann auch fragen müsste, ob die, die ja sicher nicht so wenig verdienen werden im ORF oder von ihren Büchern leben können, es notwendig haben, in einer in Ihren Augen zumindest unseriösen Zeitschrift wie dem „Pragmaticus“ zu schreiben.
Genauso treten ja auch in der schon von mir erwähnten Diskussionssendung Links-Rechts-Mitte auch immer zwei Vertreter oder Vertreterinnen des linken Lagers auf, denen dann eben zwei des rechten Lagers gegenübersitzen und sich mit ihnen matchen, was eben meistens sehr spannend ist. Vor allem, wenn es sich bei den rechten Vertretern um ehemalige Angehörige der linken Seite handelt, wie es etwa beim Jugendsoziologen Bernhard Heinzlmaier der Fall ist.
Kurz und gut: Die Vielfalt bildet Meinungen und kritisches Denken!
Kommentar lieb und nett. Ergreifen Sie die Initiative und sorgen Sie bei der Bundesregierung (Stocker, Babler, Meinl-Reisinger) dafür, dass die Deckelung der ORF-Gebühr bis Ende 2029 aufgehoben wird. Jedes Unternehmen kann jährlich seine Preise erhöhen, der ORF aber nicht.
Das wirkt sich halt aufs Programm aus.