Alois Schöpf
Die Universitäten und unser Wohlstand
Apropos
Es sich mit der Lehrerschaft anzulegen, ist gefährlich. Endgültig existenzbedrohend wird es, die Hochschullehrerschaft aufs Korn zu nehmen.
Offenbar hat dies die Regierung rechtzeitig bemerkt und ihre Sparpläne auf den Herbst verschoben. Dies wiederum konnte die Unis nur zum Teil beruhigen. Sie protestieren präventiv und wiederholen das Mantra: Österreichs Wohlstand hänge von ihnen ab. Wenn man bei ihnen spare, müsse man eben an Universitätskliniken länger auf eine Krebsdiagnose warten.
Allein wenn man diese überzogene Drohung in Betracht zieht, kann man sich ausrechnen, welche Auseinandersetzung da auf die Politik zukommt. Es stimmt nämlich schon, dass die Universitäten in vielen Bereichen durch Lehre und Forschung unseren Wohlstand begründen.
Genauso aber gilt die Einschätzung jenes an einer Hochschule im Führungsteam tätigen Professors, der mir unter der Bedingung, nicht seinen Namen zu nennen, versicherte, man könne problemlos ein Drittel der Studienfächer streichen.
Dies betrifft natürlich vor allem jene Orchideenfächer, die niemand braucht, von denen man jedoch hofft, dass sie zukünftig den Stein der Weisen in sich bergen. Wenn allerdings jede der 150 deutschsprachigen Universitäten sich verpflichten würde, zwei oder drei dieser Fächer zu übernehmen, wären die Ersparnisse ohne Schaden beträchtlich, aber das Studium der Numismatik oder Assyrologie eben nur an wenigen Orten möglich.
Was die anderen Fächer betrifft, müsste es ein Leichtes sein, den zukünftigen Bedarf mittel statistischer Methoden zu prognostizieren und den Bedarf über Freiplätze abzudecken, die über Wettbewerbe und die gleichzeitige Verpflichtung, eine gewisse Zeit in Österreich zu arbeiten, erworben werden könnten. Wer am Wettbewerb scheitert, könnte dennoch sein Studium frei wählen. Aber er müsste dafür eben bezahlen.
Ideen gäbe es genug. Doch wer verwirklicht sie?
Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 30.05.2026
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