Alois Schöpf
Die Idee ist gut, nur fehlt uns der Glaube.
Apropos
Wohnen ist ein Grundbedürfnis wie Essen und Trinken. Leider haben aus dieser Notlage zu viele Gierlinge in der Vergangenheit ein Geschäft gemacht. Dagegen schuf der Sozialstaat berechtigterweise ein Mietrecht, das im Endausbau den Mieter radikal schützt und den Vermieter als potentiellen Kriminellen hinstellt. Ein Teil der Wohnungsnot ist sicherlich darauf zurückzuführen.
Denn abgesehen vom beleidigenden Grundverdacht und abgesehen von einem bürokratisch-baurechtlichen Wahnsinn, der Rauchmelder, Energieausweis, Wärmeschutz, Heizsysteme, Parkplätze und FI-Schalter vorschreibt, ist das Vermieten durch sogenannte Mietnomaden und von ihnen zerstörte Wohnungen zu einem Risikogeschäft geworden, das, statt etwas einzubringen oftmals hohe Kosten und viel Ärger verursacht.
In nüchterner Einschätzung dieses Sachverhalts hat nun das Land Tirol in Zusammenarbeit mit der landeseigenen gemeinnützigen Wohnungs- und Siedlungsbaugesellschaft TIGEWOSI ein Modell entwickelt, bei dem private Eigentümer die Vermietung ihrer freistehenden Wohnungen bei gleichzeitiger Freiheit, sich die Mieter selbst auszusuchen, nahezu vollständig außer Haus geben können.
Dadurch sollen sie, so die Idee, vor unerfreulichen Überraschungen geschützt sein, womit man hofft, die Bereitschaft zu erhöhen, leerstehenden Wohnraum freizugeben. So sollen auch ausstehende Mietzahlungen im Fall vom Land übernommen und Mietschäden, die über die übliche Abnützung hinausgehen bis zu einem Betrag von 30.000 Euro refundiert werden.
Als Idee, deren Realisierung 2024 begann, ist das Modell großartig. In der Realität wurden allerdings erst 50 Wohnungen vermittelt. Gefragt wäre daher ein Monitoring, das die Erfahrung der bisherigen Vermieter und Mieter mit der TIGEWOSI öffentlich macht. Nach Jahrzehnten der gegenseitigen Kriminalisierung fehlt nämlich noch das Entscheidende: Das Vertrauen.
Erschienen in der Tiroler Tagezeitung am 02.08.2025
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