Alois Schöpf
Der Wutbürger, der nicht gefragt worden ist.
Apropos

Letzte Woche veranstaltete unser Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig mit einer gelehrten Dame von der BOKU Wien eine Pressekonferenz. Darin wurde uns eine neu erstellte Landkarte präsentiert, die über das gedeihliche Zusammenleben von Wolf und Mensch aufklären soll. Alles auf Wissenschaft basierend, wie der Minister betonte. Und: Man könne den Wolf nicht einfach abschießen! – so Josef Geisler von der Tiroler Landesregierung.

Eine Frage wurde natürlich nicht gestellt. Ob, nachdem Wolf und Bär mühsam aus unseren Ländern vertrieben worden sind, eine Wiederansiedlung vonseiten der Bevölkerung überhaupt erwünscht ist?

Die elegante Arroganz, das Volk in diesem Punkt nicht zu befragen, erinnert im Übrigen an zahlreiche Studien darüber, wie die Gesellschaft kulturell, sozial und budgetär mit einem immer höheren Anteil an Migranten umgehen soll. 

Dieses Thema hat bei unseren deutschen Nachbarn gerade zu einer sogenannten „Stadtbilddiskussion“ geführt, deren emotionale Basis auch in diesem Fall der Umstand ist, dass in Sachen Migration nie jemand die Bevölkerung gefragt hat, ob wir eigentlich multikulturelle Einwanderungsländer sein und dies als Preis der Globalisierung akzeptieren wollen.

Nicht viel anders geht es beim Gendern zu, also mittels der Sonderzeichen Doppelpunkt, Sternchen oder Binnen-I über die Sprache die Befreiung der Frau aus ihrer Unterdrückung herbeizuführen. Auch hier wurde nie gefragt, ob das der Bevölkerung passt, obgleich aus Umfragen hervorgeht, dass 60 bis 80 Prozent diesen ideologischen Missbrauch ablehnen, was nicht bedeutet, dass sie damit auch für die Benachteiligung der Frau eintreten.

Die drei Beispiele reichen wohl aus, um ein wenig die Wut zu erklären, die viele Bürger befällt, wenn sie abseits demokratischer Willensbildung von ihren besserwisserischen Eliten zu dummen Zöglingen herabgestuft werden.

Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 08.11.2025

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Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor, Journalist, Veranstalter, geb. 1950, lebt bei Innsbruck, schreibt seit 41 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 34 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Nach seiner Tätigkeit als ORF-Fernsehredakteur für Fernsehspiel und Unterhaltung verfasste Schöpf Romane, Erzählungen, Märchenbücher und in den letzten Jahren vor allem Essays zu relevanten gesellschaftlichen Themen. Daneben schrieb er Theaterstücke und vier Opernlibretti. Schöpf war auch als Blasmusikdirigent tätig und ist Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte, die er 25 Jahre lang bis 2019 leitete. Zuletzt gründete er 2020 das Online-Magazin schoepfblog, an dem 40 renommierte Autorinnen und Autoren mitarbeiten.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Gerhard Herzel

    Gratuliere zu Ihrem heutigen TT Artikel. Sie sprechen mir aus der Seele!
    Ein sogenannter Wutbürger.

  2. Georg Taxer

    Sehr geehrter Herr Schöpf!
    Ich habe, wie immer, mit Interesse Ihre Kolumne in der TT vom 8.11.2025 gelesen.
    Ich bedanke mich für Ihre Ausführungen. Denen ist absolut nichts mehr hinzuzufügen.
    All das von Ihnen Geschriebene entspricht in jeder Hinsicht den Tatsachen.
    Sie sind einer der wenigen, die sich zu schreiben trauen, was Sache ist.
    Mit freundlichen Grüßen

  3. Herbert Hackspiel

    Lieber Herr Schöpf!
    Mit Vergnügen, manchmal auch Verwunderung oder Ärger über die Zustände (aber nie über ihren Kommentar) freue ich mich wöchentlich auf ihre Kolumne.
    Einmal wurden wir sogar gefragt, nämlich über den EU-Beitritt. Ein ganz wichtiges Argument war damals „Nur wenn wir dabei sind, können wir mitreden“!?
    Die Schweiz ist nicht dabei und regelt den Transitverkehr selber, die fahren dafür bei uns durch. Wahrscheinlich müssen die Schweizer auch nicht fragen, ob sie einen Wolf oder Bären schießen dürfen.
    Herzliche Grüße

  4. Otto Riedling

    Jedem Staatsbürger ist es erlaubt, eine Volksbefragung, Petition etc. zu initiieren. Die rechtlichen Grundlagen gibt es dafür.

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