Alois Schöpf
Der bedenkliche Umgang
mit Auslastungszahlen
Apropos
Man ist es aus der Politik gewohnt. Wenn demonstriert wird, behaupten jene, welche die Demonstration organisiert haben, dass 20.000 Personen gekommen sind. Die Polizei spricht hingegen maximal von 10.000 Beteiligten.
Vor diesem Hintergrund wären die Auslastungszahlen der Sommersaison der Tiroler Festspiele Erl, die unlängst mit 79 % angegeben wurden, alarmierend. Würde man nämlich auch hier das gerade in der Kultur übliche Hinbiegen der Auslastungszahlen einberechnen, käme man auf einen realen Wert von unter 40 Prozent. Das aber ist aufgrund der begeisterten Rückmeldungen des Publikums ausgeschlossen.
Offenbar hat man sich also entschieden, die Wahrheit zu sagen, was absolut wohltuend ist. Der Normalfall hierzulande besteht nämlich darin, etwa Musiker oder Schauspieler, um auf hohe Zahlen zu kommen, an öffentlichen Plätzen auftreten zu lassen und alle, die vorbeikommen, als Publikum zu zählen.
Oder ein Fest mit Gratisangeboten zu organisieren, zu dem bei schönem Wetter dann tatsächlich Hunderte kommen: und schon wieder steigt der Publikumszuspruch für etwas, das an sich nur wenige interessiert.
Man kann aber auch ein Theater, das über 800 Plätze verfügt, 4 Tage die Woche zusperren und für die restlichen 3 Tage eine Auslastung von 85 % vermelden. Oder man bestuhlt einen Saal, der für 1000 Personen geeignet ist, mit nur 400 Sitzplätzen und behauptet, er sei ausverkauft.
Ziel ist es immer und überall, Subventionsgeber und Sponsoren, die oft nicht unterscheiden können, was gut und was weniger gut ist, mit Erfolgsmeldungen von der Richtigkeit ihres Tuns zu überzeugen und ihnen zu schmeicheln.
Sollte sich bei den Tiroler Festspielen Erl endlich mehr Ehrlichkeit durchgesetzt haben, sei dies in höchsten Tönen gepriesen. Gerade in der Kultur, die sich immer sehr moralisch gibt, ist das Bekenntnis zu alternativen Fakten unentschuldbar.
Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 09.08.2025
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