Alois Schöpf
Das Bundesheer
Unser bequemer Selbstbetrug?
Apropos
Am 6. November 1955 wurde das Bundesheer gegründet, um Österreich im Kriegsfall zu verteidigen. Ob ihm dies gelungen wäre, musste – zu unser aller Glück – seit 70 Jahren nie bewiesen werden. Am Erfolg darf allerdings gezweifelt werden.
Inzwischen hat sich die Welt verändert. Der Kalte Krieg und der darin eingebettete gemütliche Frieden sind vorbei. Der Triumph des Westens über den real existierenden Sozialismus ging in eine neue Weltordnung über, die von Nationalismus und einem Großmachtdenken gekennzeichnet ist, das sich um eine regelbasierte Weltordnung nichts schert.
Zudem weigern sich die USA, weiterhin für Europa die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Die Europäer stehen also vor der Notwendigkeit, militärisch für sich selbst zu sorgen, um einem rücksichtslos aggressiven Russland etwas entgegen zu setzen.
Und wie reagiert Österreich? Trotz der in den EU-Verträgen festgeschriebenen Beistandspflicht wird hierzulande über die Neutralität nicht einmal diskutiert. Dafür soll über eine Verlängerung des Wehrdienstes abgestimmt und das Bundesheer um Milliarden aufgerüstet werden.
Die entscheidende Frage erspart man sich wieder: Ist dieses Bundesheer überhaupt in der Lage, seinen Aufgaben gerecht zu werden und einen Aggressor abzuschrecken? Oder sind, um es unmissverständlich zu sagen, unsere Soldaten von vornherein dazu verurteilt, aufgrund konsequenter politischer Denkverweigerung und trotz verlängerter Ausbildung als Kanonenfutter eingesetzt zu werden?
Seien wir doch ehrlich: Österreich hat nur eine militärische Chance als Teil einer europäischen Armee oder der NATO. Und ein solcher Teil kann wohl nur aus einem Berufsheer bestehen, das trotz Aufrechterhaltung der Neutralität im Krisenfall gleichsam auf Knopfdruck Teil eines großen Ganzen wird.
Sind Volksabstimmung und Aufrüstung vor diesem Hintergrund nicht ein zu bequemer Selbstbetrug?
Erschienen in der Tiroler Tageszeitung 28.02.2026
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Streit um Hercules Maschinen
18.000 Österreicher sollen evakuiert werden. Geht leider nicht! Eine Maschine befindet sich in Portugal zur Wartung, die zweite fällt aus technischen Gründen aus.
Das erinnert mich an den Eurofighter-Kauf, der nur für die Lobbyisten und ein paar selbstverliebte Generäle ein gutes Geschäft war – vom Protektor, der in der Donau baden gehen durfte, nachdem er so lange alles unter Verschluss gehalten hatte, ganz zu schweigen …
Nun zu sagen, dass wir nur als Teil einer europäischen Armee oder der NATO Chancen hätten, halte ich für fraglich, denn ohne NATO-Osterweiterungs-Fantasien hätten wir dieses ganze Schlamassel nicht.
Und wiederum: Wer profitiert wirklich davon!?!
Sie haben recht: Ohne NATO-Osterweiterung würde Europa anders aussehen: Wir wären heute wie vor 1989 an der Grenze zur Westerweiterung der Russischen Föderation (nannte sich früher Warschauer Pakt). Orbán wäre der ungarische Lukaschenko, Fico ebenfalls ein treuer Vasall Putins. Möglicherweise hätten wir auch unsere Neutralität schon in eine Mitgliedschaft der GUS getauscht, zum Frohlocken von Frau Kneissl und ihrem Parteifreund Herbert Kickl.
Wir leisten uns eine Armee aus dem Museum – siehe Hercules Transportflugzeuge aus den 60ern – und kritisieren sie dafür! Das ist dumm und unehrlich. Mit der Raumverteidigung und dem Landesverteidigungsplan war Österreich einmal auf dem (halben) Weg zu einer glaubwürdigen Verteidigung. Aber auch die Raumverteidigung hätte nur angelehnt an ein Bündnis wie die NATO und mit deren Unterstützung funktioniert.
Ehrlich wäre es, die Neutralität als das zu bezeichnen, was sie ist: Ein Relikt des Kalten Krieges, das seine Bedeutung in den 90ern verloren hat. Europa braucht eine einheitliche, einsatzfähige, übernationale Verteidigungsunion, die, vorderhand angelehnt an die NATO, durch die Fähigen und Willigen aufgebaut wird und in der neuen Weltordnung des „Rechts des Stärkeren“ unsere Interessen verteidigen muss. Wer nicht teilnimmt, muss die Folgen alleine tragen. Kleinstaaten wie Österreich werden alleine in dieser Ordnung nicht bestehen können.
Österreich hat 1938 darauf verzichtet, seine Souveränität zu verteidigen. Die Österreicher mussten stattdessen in Stalingrad, Nordafrika usw. für ein verbrecherisches Regime kämpfen! Wir müssen dafür sorgen, dass sich Fehler nicht wiederholen!