Alois Schöpf
Bitte seriöse Notfallpläne statt Marketing!
Apropos

In der Zeit der christlichen Hochscholastik sollen die Gelehrten darüber diskutiert haben, wie viele Engel auf der Spitze einer Nadel Platz finden. 

Derzeit diskutieren die Gelehrten darüber, ob die Klimaerwärmung die Folge einer natürlichen erdgeschichtlichen Entwicklung ist oder ob sie auf menschliche Aktivitäten seit der industriellen Revolution zurückzuführen ist. Oder ob beides sich ergänzt und sich gegenseitig verstärkt. Daraus wiederum ergibt sich die Frage, ob wir unaufhaltbar oder doch noch aufhaltbar an die Wand fahren.

Tatsache ist jedenfalls, dass es derzeit zu heiß ist! Dass alte Leute, die diese Hitze nicht vertragen, reihenweise sterben, dass die Flüsse zu wenig Wasser führen und zu wenig Strom produzieren, die Fische in den Seen verenden, AKWs heruntergefahren werden müssen, weil das Kühlwasser fehlt, akute Waldbrandgefahr besteht und die Bauern ihre Kühe notschlachten, weil sie kein Futter für sie haben.

Und wie reagieren unsere gewählten Herrscher auf dieses beängstigende Szenario?

Man macht auf Marketing, um die teils katastrophalen Umfragewerte aufzubessern. Bundeskanzler Stocker reist friendly durch Österreich, Landeshauptmann Mattle spielt auf Facebook in einem Videoclip den Bergbauern, Markus Abwerzger fällt im Ruderleiberl, ganz du auf du, über die politische Konkurrenz her, Georg Dornauer spielt im schwarzen Anzug den österreichischen Trump und Frau Haselwanter-Schneider versichert im ORF-Interview, dass sie sich nicht verbiegen lässt und nur der Bevölkerung dient.

Hoffen sie alle, dass die derzeitige Hitze in einer Woche ohnehin vorbei sein wird und im August aufgrund kürzerer Tage nicht mehr wiederkommt? 

Sind sie sich eigentlich dessen bewusst, dass sie grob ihre Pflichten vernachlässigen, wenn sie nicht umgehend Notfallpläne erstellen, auch wenn diese, so kann man nur hoffen, nie umgesetzt werden müssen.

Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 08.08.2026

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Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor, Journalist, Veranstalter, geb. 1950, lebt bei Innsbruck, schreibt seit 41 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 34 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Nach seiner Tätigkeit als ORF-Fernsehredakteur für Fernsehspiel und Unterhaltung verfasste Schöpf Romane, Erzählungen, Märchenbücher und in den letzten Jahren vor allem Essays zu relevanten gesellschaftlichen Themen. Daneben schrieb er Theaterstücke und vier Opernlibretti. Schöpf war auch als Blasmusikdirigent tätig und ist Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte, die er 25 Jahre lang bis 2019 leitete. Zuletzt gründete er 2020 das Online-Magazin schoepfblog, an dem 40 renommierte Autorinnen und Autoren mitarbeiten.

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Josef Astner

    Das Mini-Österreich kann sowieso tun was es will, der Planet wird an die Wand gefahren!  Ich kann predigen wie ich will ! In Tirol Römerquelle trinken, Himbeeren aus Portugal,  Zucker aus der Tschechei usw usw ! Aber aufrüsten, Sky Shield und und ….für Ärzte  Pflege usw . kein Geld! 
    Grüße aus Wörgl, das von einem Dilettanten regiert wird und uns finanziell voll an die Wand fährt, und den meisten ist es wurscht ! Alles nur mehr traurig!  Trotzdem schönes Wochenende!  Grüße

  2. Ulrike Lob

    Guten Morgen Herr Schöpf!
    Sie haben mit Ihrem Artikel wieder einmal ins Schwarze getroffen!
    Wir sägen fleißig an dem Ast, auf dem wir sitzen u. ruinieren offenen Auges unseren schönen Planeten. Dieser wird sich im Laufe der Zeit erholen, wenn wir uns schon lange selber abgeschafft haben.
    Trotzdem wollen die meisten Leute nicht auf ihre liebgewonnenen Gewohnheiten verzichten, Klimawandel hin oder her. Soll doch die Politik etwas tun!
    Viele tausend Besucher pilgern mit dem eigenen Auto zu umweltschädlichen Megaveranstaltungen wie Autorennen oder Popkonzerten. Überall, wo der blaue Rauch aufgeht, finden sich massenhaft Leute ein.
    Wir verbringen unseren wohlverdienten Urlaub weiterhin in der Karibik u. fliegen zum Spaß rund um die Welt. Sollen doch die anderen etwas tun! Man lebt ja schließlich nur einmal!
    Am Mount Everest stapelt sich auf über 8.848 m der Müll und im Marianengraben in 11.000 Meter Tiefe liegt auch noch unser Müll herum. Und im sogenannten Great Pacific Garbage Patch, dem Großen Pazifischen Müllstrudel, treiben mehr als 80.000 Tonnen Plastik in einem Gebiet von rund 1,6 Millionen Quadratkilometern Größe. Die Müllansammlung – die dreimal so groß wie Frankreich ist – befindet sich zwischen Hawaii und Kalifornien im Pazifik.
    Das Problem ist unter anderem, dass Politiker, welche die Wahrheit ansprechen und dringend nötige Maßnahmen umsetzen wollen, von den potentiellen Wählern abgestraft und nicht gewählt werden.
    Wer möchte schon die Umwelt schützen, wenn durch die längst überfällige Besteuerung des Kerosins die Flugreisen doppelt so teuer werden?
    Wer würde Politiker wählen, die Megaveranstaltungen wie Autorennen und Popkonzerte auf den Tiroler Gletschern abschaffen wollen, um einen umweltschädlichen Massenansturm mit dem eigenen Auto zu verhindern?
    Wer würde einem Politiker die Stimme geben, der die regionalen Flugreisen abschafft, um die Umwelt zu schonen?
    Man könnte diese Liste beliebig lang fortsetzen. Fest steht auf jeden Fall, dass wir dabei sind, unseren schönen blauen Planeten systematisch an die Wand fahren. Wir machen einfach weiter wie gehabt ganz nach dem Motto „Augen zu und durch! Wird schon nicht so schlimm werden!“
    Leider weigern wir Erdenbewohner uns zu verstehen, dass wir nur ein ganz kleiner Teil der Welt sind. Allerdings haben wir durch die Technik die Möglichkeit erhalten, über die Zukunft unseres Planeten zu entscheiden.
    Die Technik entwickelt sich mit rasender Geschwindigkeit weiter, aber leider kann die Entwicklung unserer Moral damit nicht standhalten.
    Unsere Vogel-Strauß-Politik wird uns noch Kopf und Kragen kosten!
    Die Kinder, welche heute geboren werden, können einem wirklich leidtun!
    Trotzdem ein schönes Wochenende und herzliche Grüße

  3. Cornelia Fischer

    Sehr geehrter Herr Schöpf,
    die armen Politiker können weniger dafür als man so denkt. Sie sollen Klimaneutralität in kurzer Zeit herstellen – hm, was ist mit CO2 in der Luft aus anderen Quellen oder wärmere Gewässer durch Kühlwasser von Reaktoren oder Rechenzentren weltweit? Die Umlenkung der Meeresströmung vor der chinesischen Küste für Gezeitenkraftwerke, das Einleiten des Kühlwassers z.B. von Fukushima oder die Erwärmung durch abstrahlende (Glas-)Fassaden und Klimageräteausstöße sind nicht wegzubringen.
    Waldbrände oder vulkanische Aktivitäten erhöhen den CO2 Ausstoß mehr als der Verkehr, von der dort erzeugten Wärme ganz abgesehen! Es gibt Umstände, die unseren Politikern wirklich nicht anzulasten sind.
    Der Wasserverbrauch steigt durch Sprühnebel in den Städten, Bewohner haben keine Fensterläden mehr, die man schließen könnte, in Büros gibt es keine Vorhänge, kaum noch Balkonkistchen vor den Fenstern – alles klimageräte-reguliert.
    Wir machen uns etwas vor, wenn wir glauben, Notfallpläne für alle Szenarien erstellen zu können. Tja, dann unter Umständen noch ein Vulkanausbruch mit Ascheausstoß und kalt wird es wieder.
    Liebe Grüße

    PS: Erfreulich sind die Fassadenbegrünung der TILAND Versicherung, der Landwirtschaftskammer und der Tiroler Wohnbau Gesellschaft, grad um etwas Positives zu schreiben. Ihr schoepfblog ist sehr interessant zu lesen.

  4. Markus Einkemmer

    Ich weiß nicht, was Hr. Schöpf unter Gelehrten versteht Aber wenn damit Wissenschaftler der Fachbereiche Klima, Atmosphärenphysik, gemeint sind, dann ist die Aussage „Derzeit diskutieren die Gelehrten darüber, ob die Klimaerwärmung die Folge einer natürlichen erdgeschichtlichen Entwicklung ist oder ob sie auf menschliche Aktivitäten seit der industriellen Revolution zurückzuführen ist.“ definitiv falsch, denn es gibt einen Konsens bei Klimawissenschaftlern, dass diese aktuelle Erderhitzung (der Begriff Klimaerwärmung wäre zu harmlos) auf den massiven Ausstoss von CO2 (und auch Methan und Lachgas) seit der sog. industriellen Revolution zurückzuführen ist und durch Begrenzung des Ausstosses dieser Gase noch begrenzt werden kann!

  5. Reinhard Kocznar

    Wenn die Genannten schweigen und es dann kühler wird, soll es mir recht sein.

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