Albert Schwarzmann
Das Konzert der
"Royal Band of the Belgian Airforce"
bei den Innsbrucker Promenadenkonzerten
Besprechung

Die Musikerin des Orchesters, die in perfektem Deutsch durch das Programm führte, stellte ihre Formation als das Symphonische Blasorchester der königlichen belgischen Luftwaffe vor, und wer sich vielleicht eine typische Militärkapelle erwartet hatte, konnte feststellen, dass außer im Namen und abgesehen vom Emblem nicht einmal auf den schlicht eleganten Galauniformen etwas Militärisches wahrzunehmen war, das irgendwo von der Musik ablenken oder diese überlagern hätte können.

Die Royal Band of the Belgian Airforce präsentierte sich bei ihrem gestrigen, ersten Gastspiel in Tirol und Österreich als professionelles Symphonisches Blasorchester unter der Leitung des chilenisch-belgischen Gastdirigenten David Navarro-Turres, künstlerischer Leiter des Philharmonischen Orchesters Brüssel.

Das Programm war mit Bezug auf die Herkunft des Dirigenten auf Musik aus dem amerikanischen Doppelkontinent und Jazz ausgerichtet, mit einigen sehr bekannten und publikumswirksamen Werken als Highlights.

So gut wie alle Werke waren Transkriptionen von Orchestermusik oder Arrangements aus anderen Formationen.

Auch die Aufstellung des Orchesters war jener eines Symphonieorchesters nachempfunden, wobei jene Instrumentengruppen, die im Blasorchester die Aufgaben der Streicher übernehmen, also vornehmlich Klarinetten und Saxophone im Vordergrund und die die tiefen Holzbläser verstärkenden je zwei Euphonien und Tuben rechts vom Dirigenten positioniert waren.

Allgemein zeigte sich das Orchester hochprofessionell mit exzellenter rhythmischer und technischer Präzision, souveränen Soli und einem ausbalancierten Klangbild, das sämtliche Farben des Orchesters hervorragend zur Geltung brachte.

Einzig die Tontechnik machte hörbar, dass ein E-Piano im Einsatz war und die elektronische Verstärkung des Hornsolisten nicht ganz als natürlich wahrgenommen wurde, was den Freiluftverhältnissen bei fehlender Probenzeit geschuldet sein dürfte.

Die Eröffnung des Konzertes mit der österreichischen und belgischen Hymne war nun auch der einzige musikalische Hinweis auf ein Militärorchester, wobei zu erwähnen ist, mit welcher klanglichen Gediegenheit gerade die österreichische Bundeshymne zelebriert wurde.



George Gershwins Cuban Overture und Dmitri Shostakovichs Jazz Suite No. 2 waren die Hauptwerke des ersten Teils, dazwischen der Jazz-Walzer Bluesette des Belgiers Toots Thielemans in einer Bearbeitung für Horn solo und Blasorchester und abschließend den Belgian Air Force Swing March, ein jazziges Arrangement des Belgian Air Force March des belgischen Militärkapellmeisters Henri Mestrez.

Der über Gustavo Dudamel weltbekannt gewordene Danzon No. 2 von Arturo Marquez eröffnete den 2. Teil, gefolgt von den Symphonischen Tänzen aus West Side Story von Leonard Bernstein als Höhepunkt des Programms.

David Navarro-Turres dirigiert nicht nur präzise mit einer klar spürbaren musikalischen Vorstellung, er lässt auch spielen, gibt seinen MusikerInnen Freiraum zur eigenen Entfaltung und überträgt sein Temperament auf das Orchester, das seinerseits hochkonzentriert und gleichzeitig mit großer Spielfreude reagiert.

Das ausgelassene The Jazz Police von Gordon Goodwin setzt den programmatischen Schlusspunkt in diesem hörenswerten Konzert. Das begeisterte Publikum in der ausverkauften Hofburg erklatschte den temperamentvollen Mambo aus Bernsteins Westside Story und den Dance I aus Shostakovichs Jazz Suite No. 2 als Zugaben.

Hoffentlich auf ein weiteres Gastspiel!

Fotorechte: Amir Kaufmann

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Albert Schwarzmann

Albert Schwarzmann MA, geboren 1968, lebt in Polling in Tirol und lehrt seit 2006 als Dozent für Blasorchesterleitung an der Universität Mozarteum Salzburg mit Schwerpunkt Instrumentation und Arrangement. Hornstudium am Tiroler Landeskonservatorium bei Prof. Hansjörg Angerer mit Abschluss Lehrdiplom und Konzertdiplom. Anschließend Studium für Orchesterdirigieren am Tiroler Landeskonservatorium bei Prof. Edgar Seipenbusch. Anschließend Meisterkurse bei Prof. Jan Schröder (Naturhorn) und Prof. Dr. Gustav Kuhn (Dirigieren) sowie die Absolvierung eines Masterstudiums Horn an der Universität Mozarteum Salzburg. Bekannt wurde Schwarzmann vor allem als Arrangeur für Bläsersymphonik. Zahlreiche seiner Arbeiten entstanden für Salzburg Wind Philharmonic (früher Bläserphilharmonie Mozarteum Salzburg) und sind in einer Reihe viel beachteter CD-Einspielungen dokumentiert. Mittlerweile über 400 Arrangements und Kompositionen für verschiedenste Formationen in Einspielungen auf rund 40 CDs hat Schwarzmann bisher geschaffen, er konnte wiederholt mit seinen Arbeiten auch die internationale Brassband-Szene begeistern. Er wirkte als Hornist u.a. an Konzerten der Bläserphilharmonie Mozarteum mit und leitete diesen Klangkörper auch wiederholt als Gastdirigent.

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