Albert Schwarzmann:
Das 8. Symphoniekonzert des
Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck
unter dem Motto
“Berauschende Klänge”
Besprechung

Ein von russischer Spätromantik eingerahmter Konzertabend mit einem auf rumänischer Volksmusik basierenden Werk des österreichisch-ungarisch-rumänischen Komponisten György Ligeti als kontrastierendes Mittelstück sollte für Berauschende Klänge sorgen. Es sei gleich vorweggenommen: Aus Sicht des Rezensenten ist dieser Plan aufgegangen, das TSOI mit seinem Chefdirigenten Ainārs Rubiķis lieferte eine überzeugende Aufführung.

Dieses Mal stand das Hauptwerk des Abends gleich am Beginn des Konzertes. Sergej Rachmaninows zweites Klavierkonzert gehört zu den populärsten Werken seines Genres, das dem Solisten neben höchsten pianistischen Fertigkeiten eine enorme Bandbreite an Ausdrucksfähigkeit abverlangt und auch dem Orchester eine Fülle an klangmalerischen Facetten zuweist, die in Abstimmung mit dem Solopart in der Tat die Seele zu berauschen vermögen.



Als Solist wurde mit Tzimon Barto, international renommierter amerikanischer Pianist mit jahrzehntelanger Topkarriere, ein Künstler engagiert, der von größter Klangkraft bis äußerster Sensibilität und pianistischer Virtuosität alles lieferte, um dieses Konzert zu einem Erlebnis werden zu lassen.

Es schien, dass auch das Orchester an diesem hervorragenden Solisten wuchs und zu einem Partner wurde, auch seinerseits klanglich und spielerisch voll überzeugen konnte

Diese Musik lag dem Orchester und ihrem Chef offenbar ganz besonders, man wirkte sehr gut einstudiert, präzise in den Einsätzen und klanglich ausgesprochen gut aufeinander abgestimmt. Die Streicher zeigten sich sehr homogen mit warmem Klang, die Bläser mit präzisen und trotzdem butterweichen Einsätzen und klangsensiblen Soli. Der ausgelassene Applaus war dann nicht nur dem Solisten, sondern auch dieser überzeugenden Symbiose mit dem Orchester geschuldet.

Tzimon Barto zeigte mit dem Prelude von George Gershwin als Zugabe nochmals, welch hochsensibler Künstler in ihm steckt.

György Ligeti ist als bedeutender Vertreter neuer Musik im 20. Jahrhundert weltbekannt geworden. Sein Concert Românesc für Orchester von 1951 dürfte bei allen, die sich schon auf ein schwer zu hörendes atonales Werk eingestellt hatten, für Erleichterung gesorgt haben.



Dieses Werk resultiert aus seiner umfangreichen Beschäftigung mit rumänischer Volksmusik und beinhaltet auch die darin vorkommenden ursprünglichen Dissonanzen. Trotzdem wurde es in der stalinistischen Ära als politisch nicht korrekt verboten, obwohl es von Ligeti als Camouflage-Werk konzipiert wurde, um der Zensur zu entgehen.

Auch hier wussten Rubiķis und das TSOI zu überzeugen. Das Orchester wirkte wieder sehr präzise mit überzeugenden Soli, ob vom Horn auf der Bühne oder auf dem Balkon über die Violine, Klarinetten bis zur Trompete, klanglich sehr gut aufeinander abgestimmt.



Zum Finale stand Alexander Skrjabins Le Poème de l’Extase für großes Orchester am Programm. Hier war der Klangrausch mit einer opulenten Orchesterbesetzung bereits vorprogrammiert.

Vierfaches Holz, 8 Hörner, 5 Trompeten, umfangreiches Schlagwerk, 2 Harfen, Orgel und Celesta haben die Bühne des Saal Tirol zur Gänze gefüllt und wecken Assoziationen mit Symphonischen Dichtungen von Richard Strauss und Symphonien von Gustav Mahler.

Bei soviel klanglicher Opulenz ist das nötige Maß an Durchhörbarkeit natürlich von Wichtigkeit, aber auch hier zeigen sich Dirigent und Orchester sehr gut vorbereitet und abgestimmt.

Der Wille zum Abschluss der Saison das Bestmögliche zu bieten und damit Werbung für die kommende Spielzeit zu machen, war sehr präsent und seine Umsetzung äußerst gelungen. Dieses Mal also uneingeschränktes Lob!

Fotorechte: WE FEEL

Das Konzert wird heute, 12.06.20126, um 20.00 Uhr im Saal Tirol des Congress Innsbruck wiederholt.

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Albert Schwarzmann

Albert Schwarzmann MA, geboren 1968, lebt in Polling in Tirol und lehrt seit 2006 als Dozent für Blasorchesterleitung an der Universität Mozarteum Salzburg mit Schwerpunkt Instrumentation und Arrangement. Hornstudium am Tiroler Landeskonservatorium bei Prof. Hansjörg Angerer mit Abschluss Lehrdiplom und Konzertdiplom. Anschließend Studium für Orchesterdirigieren am Tiroler Landeskonservatorium bei Prof. Edgar Seipenbusch. Anschließend Meisterkurse bei Prof. Jan Schröder (Naturhorn) und Prof. Dr. Gustav Kuhn (Dirigieren) sowie die Absolvierung eines Masterstudiums Horn an der Universität Mozarteum Salzburg. Bekannt wurde Schwarzmann vor allem als Arrangeur für Bläsersymphonik. Zahlreiche seiner Arbeiten entstanden für Salzburg Wind Philharmonic (früher Bläserphilharmonie Mozarteum Salzburg) und sind in einer Reihe viel beachteter CD-Einspielungen dokumentiert. Mittlerweile über 400 Arrangements und Kompositionen für verschiedenste Formationen in Einspielungen auf rund 40 CDs hat Schwarzmann bisher geschaffen, er konnte wiederholt mit seinen Arbeiten auch die internationale Brassband-Szene begeistern. Er wirkte als Hornist u.a. an Konzerten der Bläserphilharmonie Mozarteum mit und leitete diesen Klangkörper auch wiederholt als Gastdirigent.

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