Albert Schwarzmann
Das 7. Symphoniekonzert
des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck
unter dem Motto „Kontraste“
Besprechung

Das Programm dieses Konzerts liest sich wie ein fein abgestimmtes Gourmetmenü mit Benjamin Brittens Simple Symphony op. 4 als appetitanregenden Opener, Segue. Musik für Violoncello und Orchester von Johannes Maria Staud als opulenten Hauptgang und nach der Pause mit Mozarts letzter Symphonie Jupiter als weltbekanntes krönendes Dessert. 

War es Zufall, dass Chefdirigent Ainārs Rubiķis mit schwarzer Fliege zum Frack auftrat, wie es in altösterreichischer Tradition die Oberkellner zu tun pflegen?

Brittens im Alter von 21 Jahren komponierte Simple Symphony überzeugt mit jugendlicher Frische und aber auch mit emotionaler Tiefe, die bereits hier auf seine Bedeutung als einer der wichtigsten Komponisten Englands im 20. Jahrhundert hinweisen. Das Streichorchester des TSOI präsentierte sich handwerklich solide und homogen, die musikalischen Kontraste, die emotionale Bandbreite und auch das dynamische Spektrum dieses Werks wurde vom Dirigenten nur bedingt ausgereizt. 

In der Kontrastierung von Haupt- und Seitenthema im ersten Satz, den Übergaben der Linien im Scherzo des zweiten Satzes, der Expressivität im langsamen dritten und auch in der Spritzigkeit und Spielfreude des Finales wäre durchaus noch Luft nach oben zu verspüren gewesen.

Das Hauptwerk von Johannes Maria Staud mit dem Titel Segue fand bereits wiederholt Präsenz auf der Konzertbühne und demonstrierte, dass zeitgenössische E-Musik, wenn sie klug angelegten Spannungsbögen folgt und interessante und kreative Klangeindrücke bietet, nicht nur elitäre Zirkel anspricht, sondern auch ein breites Publikum zu begeistern vermag. 

Das Fragment Mozarts, das Andantino für Violoncello KV Anh. 46 (374g), welches am Beginn des Werkes quasi in Stauds Orchestrierung zitiert wird und dann in dessen eigener musikalischer Sprache weitergeführt und entwickelt wird, als Reprise später nochmals kurz ins Ohr geht, fungiert als äußerst gelungene Verbindung von musikalischer Vergangenheit und Gegenwart. 

Die gebürtige Tirolerin Valerie Fritz als Solistin am Violoncello ist eine Klasse für sich und hat mit ihrem so präzisen und variantenreichen Spiel den Löwenanteil am überaus spannenden Höreindruck dieses Werkes. Orchester und Dirigent begleiteten großteils balanciert und farbenreich, lediglich am Beginn im Mozart-Teil und im folgenden Übergang wurde die Solistin klanglich teilweise überlagert. 

Die gefeierte Solistin beeindruckte anschließend mit einer Zugabe aus der Feder ihres Cellisten-Kollegen Matthias Bartholomey: Fernambuk.

Nach der Pause ein absoluter Klassiker: Mozarts letzte Symphonie Nr. 41 in C-Dur KV 551 Jupiter. Hier zeigte sich wieder einmal, warum Mozart-Konzerte nach wie vor regelmäßig bei Orchesterprobespielen verlangt werden: Sie sind meist nicht die schwersten, decken jedoch kleinste Schwächen schonungslos auf. 

So hinterlässt die Interpretation an diesem Abend beim Rezensenten einen etwas durchwachsenen Eindruck. Die Großartigkeit von Mozarts Musik kam wohl über die Rampe, allerdings schien manches nicht ganz ausgeprobt und vor allem nicht ausbalanciert. Die klangliche Abstimmung zwischen Bläsern und Streichern war öfters suboptimal, die Flöte teilweise etwas unterbelichtet und vor allem die Trompeten bei mehreren Stellen zu dick, zu vordergründig. 

Im Kopfsatz waren einige Unsauberkeiten im Zusammenspiel der Violinen merkbar, die Kontrastierung der Themen hätte noch mehr Differenzierung vertragen. Im Andante cantabile war das Tempo teils nicht ganz stabil, damit fehlte auch eine gewisse Ruhe im Klang. Vielleicht lag es auch daran, dass der Chef für sein Dirigat die große langsame Drei und nicht die bei früheren Kapellmeistergenerationen übliche Unterteilung in Achteln wählte. Auch das Menuett wirkte etwas rustikal und nicht ganz ausgeprobt. Das Finale prolongierte diese Eindrücke der vorhergehenden Sätze.

Um auf den Menüvergleich am Anfang des Berichts zurückzukommen: Hauptgang gelungen, Vorspeise okay, das Dessert verlangt nach mehr Hingabe und Raffinesse.

Das Konzert wird heute Abend, Freitag, 20.00 Uhr, im Saal Tirol des Congress Innsbruck wiederholt.

Fotorechte: WE FEEL

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Albert Schwarzmann

Albert Schwarzmann MA, geboren 1968, lebt in Polling in Tirol und lehrt seit 2006 als Dozent für Blasorchesterleitung an der Universität Mozarteum Salzburg mit Schwerpunkt Instrumentation und Arrangement. Hornstudium am Tiroler Landeskonservatorium bei Prof. Hansjörg Angerer mit Abschluss Lehrdiplom und Konzertdiplom. Anschließend Studium für Orchesterdirigieren am Tiroler Landeskonservatorium bei Prof. Edgar Seipenbusch. Anschließend Meisterkurse bei Prof. Jan Schröder (Naturhorn) und Prof. Dr. Gustav Kuhn (Dirigieren) sowie die Absolvierung eines Masterstudiums Horn an der Universität Mozarteum Salzburg. Bekannt wurde Schwarzmann vor allem als Arrangeur für Bläsersymphonik. Zahlreiche seiner Arbeiten entstanden für Salzburg Wind Philharmonic (früher Bläserphilharmonie Mozarteum Salzburg) und sind in einer Reihe viel beachteter CD-Einspielungen dokumentiert. Mittlerweile über 400 Arrangements und Kompositionen für verschiedenste Formationen in Einspielungen auf rund 40 CDs hat Schwarzmann bisher geschaffen, er konnte wiederholt mit seinen Arbeiten auch die internationale Brassband-Szene begeistern. Er wirkte als Hornist u.a. an Konzerten der Bläserphilharmonie Mozarteum mit und leitete diesen Klangkörper auch wiederholt als Gastdirigent.

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